Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus
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Aktuellem und Geschichte des Kulturzentrum im Amerlinghaus:

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-> facebook: Kultur- & Kommunikationszentrum im Amerlinghaus
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Aktuelles:


-> Videokampagne von wientv.org:
Es ist 5 vor 12.
Das Amerlinghaus kämpft seit Jahren um eine Subventionserhöhung - diesmal stehen vor allem Arbeitsplätze am Spiel und somit die ganze Zukunft des Hauses.

-> MAILAKTION zum FÖRDERANSUCHEN FÜR 2017
- Solidarität mit dem Kulturzentrum im Amerlinghaus jetzt!

[ -> zum Archiv]


-> Jingle Mai 2016


Dezember 2016:

Es ist 5 vor 12.
Das Amerlinghaus kämpft seit Jahren um eine Subventionserhöhung - diesmal stehen vor allem Arbeitsplätze am Spiel und somit die ganze Zukunft des Hauses.

Videostatements von Hausgruppen, Freund_innen, Mitarbeiter_innen zum Kulturzentrum im Amerlinghaus

https://www.youtube.com/watch?v=l55o6_Ll4OU
https://www.youtube.com/watch?v=eA8uq7YCWp0


November 2016:

MAILAKTION zum FÖRDERANSUCHEN FÜR 2017
- Solidarität mit dem Kulturzentrum im Amerlinghaus jetzt!

Das Kulturzentrum im Amerlinghaus hat am 9. Nov das Förderansuchen für 2017 bei der MA 13 eingebracht.
Vorstand und Hausgruppen waren sich darin einig, einen Subventionsantrag einzubringen, der die Grundkosten für Miete, Personal und Energie abdeckt. Die Förderungen der letzten Jahre waren bei weitem nicht mehr ausreichend.
Wir meinen, dass es wichtig ist, mit unserem Antrag ganz deutlich auf den tatsächlichen Bedarf hinzuweisen, und wir wollen eine öffentlichen Finanzierung, die die Arbeitsplätze im Kulturzentrum und damit auch den Fortbestand des Kulturzentrums sichert.
Unser Subventionsantrag ist im November doch noch nicht im für uns zuständigen Gemeinderatsausschuss behandelt worden, der Zeitpunkt ist noch ungewiss.

Daher sollen wir auch weiterhin unserer Forderung nach einer Subventionierung, mit der das Zentrum auch weiterbetrieben werden kann, möglichst großen Nachdruck zu verleihen und bitten euch um eure Unterstützung und Solidarität! Konkret geht es darum, möglichst zahlreich Mails an die MA13 und die politisch Verantwortlichen zu schreiben!
Textvorschläge und Adressen siehe unten.
Infos bitte weiterleiten, möglichst zahlreich Mails schreiben!
Kulturzentrum im Amerlinghaus bleibt!

Vorlage vom 09.11.2016 für Mails an Fr. Stadträtin Frauenberger u. Abteilungsleiterin bei der MA 13 Mag. Bauer-Sebek auf das Antwortschreiben der MA 13 auf unseren Offenen Brief vom Juni 2016 (siehe http://www.amerlinghaus.at/Materialien.htm)
Abwandeln und/oder ergänzen möglich und erwünscht!

Mails bitte schicken an:
Amtsführende Stadträtin Sandra Frauenberger
sandra.frauenberger@wien.gv.at
Maga Brigitte Bauer-Sebek MA 13
brigitte.bauer-sebek@wien.gv.at

Außerdem im CC zur Information auch an die Mitglieder (SPÖ, Grüne) des für uns zuständigen Gemeinderatsausschuss - (Bildung & Jugend) schicken!

faika.el-nagashi@gruene.at; barbara.huemer@gruene.at; safak.akcay@spoe1020.at; nicole.berger-krotsch@spw.at; marina.hanke@spw.at; christian.hursky@spw.at; marcus.schober@spw.at; kurt.stuerzenbecher@spoe.at; heinz.vettermann@spw.at; tanja.wehsely@spoe.at;


(In unserem Mailvorschlag beziehen wir uns auf ein Antwortschreiben der MA13 auf eine ähnliche Mailaktion vom Frühsommer/Juni 2016. Bei Bedarf ändern oder weglassen)

Mailvorschlag

Wien, Datum
Sehr geehrte Frau Stadträtin Frauenberger!
Sehr geehrte Frau Mag. Bauer-Sebek!


Vorerst bedanken wir uns bei Frau Mag. Bauer-Sebek für das Antwortschreiben der MA 13 - 883030/2015.
Leider wurden mit diesem Schreiben unsere Sorgen über die unerfreuliche finanzielle Situation des Kulturzentrums Amerlinghaus nicht gemildert. Wenn angeführt wird, dass die Stadt Wien das Kulturzentrum jährlich mit 245.000.- Euro fördert, so war bereits 2014 abzusehen, dass diese Summe für eine korrekte Abdeckung der Grundkosten (Personal-, Miet- und Energiekosten) nicht reichen würde.
Wie wir bereits mit unserem letzten Appell zum Ausdruck brachten, verschlechterte sich natürlich in den Folgejahren 2015 und 2016 die Lage, weil bei gleicher Förderungshöhe, die Lohn- und Gehaltskosten- Erhöhungen (rein auf kollektivvertraglicher oder gesetzlicher Basis) sowie Preissteigerungen nicht mehr gedeckt werden können. Je mehr Jahre diese Förderung konstant bleibt, desto „verstärkter“ wirkt sich diese Unterdeckung auf das Ergebnis aus.

Bereits in vorangegangenen Jahren wurde durch Personalabbau die Kapazität auf ein „Mindestmaß“ reduziert und das hat nun vehemente negative Folgen, weil gleichzeitig die Nutzer_innen- Anzahl und die Nutzungsfrequenz gegenüber damals enorm zugenommen hat.
Die Leistungen der Mitarbeiter_innen sind besonders hervorzuheben und zu bewundern, aber deren Stress hat schon länger die zumutbare Grenze überschritten, und wir können und dürfen hier nicht weiter zusehen, denn solche Situationen sind die Basis für Burnouts.
Die seitens der MA 13 erwähnte Förderung für den Verein „Vereinigung für Frauenintegration Amerlinghaus“ fließt ausschließlich diesem Verein zu, der zwar ein Hausverein ist, aber in seiner Tätigkeit unabhängig vom Kulturzentrum agiert. Es ist dabei anzumerken, dass dort 9 Angestellte und zwei Honorarkräfte beschäftigt sind, weshalb die Subvention zu 90% die Personalkosten und 10% Sachkosten aufgewendet wird.

Wir freuen uns, dass sich die Stadt Wien zum Kulturzentrum im Amerlinghaus bekennt und dieses als Ort der Vernetzung schätzt. Doch das setzt auch voraus, dass dem Verein Kulturzentrum Spittelberg jene Fördermittel zur Verfügung gestellt werden, die diesem auch die Chance geben, den Betrieb zu gestalten und nicht nur Jahr um Jahr die gesamte Energie und Kapazität einsetzen zu müssen, um „eine drohenden Beendigung“ des Kulturzentrums abzuwenden.
Nachdem in Kürze über die Förderungshöhe für das Kulturzentrum im Amerlinghaus fürs nächste Jahr, oder darüber hinaus entschieden wird, so bitten (ersuchen) wir Sie unsere Anliegen und die aufgezeigten Probleme zu berücksichtigen und sich dafür einzusetzen, dass ein geordneter Betrieb ermöglicht wird und dass eine korrekte Förderungshöhe zur Deckung der Grundkosten ermittelt und bereitgestellt wird, welche die Teuerungsraten und Arbeitskostenveränderungen der vergangenen Jahre seit der letzten Festlegung berücksichtigt, die unerfreuliche Personalsituation beseitigen kann und einer jährlichen Anpassung unterzogen wird.

Bitte informieren Sie uns über alle Handlungen, die diese Angelegenheit betreffen.

Herzlichen Dank (Danke) für Ihre Bemühungen,
mit freundlichen Grüßen

Vorname Nachname Gruppe (optional)


Offener Brief von Juni 2016

#amerlinghausbleibt
unsere arbeit #istnoetig

MAYDAY! MAYDAY! Der Hut brennt!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Häupl!
Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin Vassilakou!
Sehr geehrte Frau Stadträtin Frauenberger!

Wir wenden uns mit der dringenden Bitte an Sie, das Kulturzentrum im Amerlinghaus vor einem weiteren, existenzbedrohenden Personalabbau zu bewahren.
Gegenwärtig tragen nur noch 3 Teilzeit-Kräfte und 1 Vollzeit-Putzarbeiterin die Verantwortung für den gesamten Betrieb des Zentrums mit seinen 70 Initiativen und einer Nutzer_innenfrequenz von 60.000 Menschen im Jahr.

Die Lage des Kulturzentrums im Amerlinghaus ist ernst wie nie zuvor. Die Grundkosten-Subvention ist seit vielen Jahren nicht angepasst, sondern sogar gekürzt worden, während alle Kosten wie Miete, Betriebskosten, Energie,… in diesem Zeitraum enorm gestiegen sind.
Nach Jahren des prekären Weiterarbeitens ohne Planungssicherheit wurde auch für 2016 unsere Forderung nach einer ausreichenden Grundkostenförderung für das Kulturzentrum nicht erfüllt. Die Kosten für Löhne, Miete und Energie betragen mittlerweile um rund 10.000,- € mehr als wir von der Gemeinde an Förderung erhalten.

Erschwerend kommt dazu, dass die Verhandlungen mit der GESIBA, an die die Miete von der MA13 direkt überwiesen wird, um eine Mietreduktion, eine gerechtere Aufteilung der Betriebskosten und dringend nötige Renovierungen im März 2016 gescheitert sind. Gleichzeitig hält die Gesiba aktuell einen Betrag von rund 200.000,- Euro zurück, der für Reparaturen und Sanierungen vorgesehen wäre. Der Ausgang des laufenden Verfahrens auf der Schlichtungsstelle ist ungewiss und zeitlich nicht absehbar. Und auch seitens des kommerziellen Amerlingbeisl gibt es keinerlei Entgegenkommen.

Das bedeutet für das Kulturzentrum nun, dass eine akute Finanzierungslücke besteht, für die innerhalb kurzer Zeit eine Lösung gefunden werden muss.
Die Folgen von weiteren Personaleinsparungen wären für das Zentrum verheerend und in ihren Konsequenzen gar nicht absehbar. Durch eine weitere Stundenkürzung würden wir arbeits- und handlungsunfähig gemacht, nicht zuletzt auch im Sinn der kritischen Positionierung des Zentrums und seiner Parteilichkeit für prekarisierte und marginalisierte Positionen. Ein Freiraum ist mehr als ein „bloßer“ Raum! Wir fordern die Anerkennung der wichtigen Sorge- und Schnittstellenarbeit zwischen Kunst und Kultur, Sozialem und Bildung, die hier generationenübergreifend, inter- und transkulturell sowie zivilgesellschaftlich über „Szene“-Grenzen hinweg täglich geleistet wird.

Jahrelang wurde an allen Ecken und Enden gespart, um mit dem real immer weniger werdenden Fördergeld auszukommen, während gleichzeitig der Bedarf an Freiräumen steigt, die, entgegen der fortschreitenden sozialen Verdrängung und Kommerzialisierung, einen sorgsamen und inkludierenden Umgang miteinander in den Mittelpunkt stellen.

Daher ersuchen wir Sie in aller Dringlichkeit, die drohenden Personalkürzungen im Kulturzentrum im Amerlinghaus abzuwenden und dafür Sorge zu tragen, dass der Betrieb des Zentrums endlich nachhaltig mit einer ausreichenden Grundkostenförderung gesichert wird.

Wir ersuchen Sie, uns über alle Schritte zu informieren, die Sie in dieser Angelegenheit setzen.


Wien 01 06 2016
Mit freundlichen Grüßen,
Lisa Grösel und Claudia Totschnig
Info-, Koordinations- und Projektbüro
Kulturzentrum im Amerlinghaus

.....

Empfangsadressen:

buergermeister@magwien.gv.at
maria.vassilakou@wien.gv.at
sandra.frauenberger@wien.gv.at

 


Was ist jetzt schon wieder mit dem Kulturzentrum im Amerlinghaus los?
MAYDAY! MAYDAY! Der Hut brennt!

Nach Jahren des prekären Weiterarbeitens ohne Planungssicherheit wurde auch für 2016 unsere Forderung nach einer ausreichenden Grundkostenförderung für das Kulturzentrum nicht erfüllt. Die Kosten für Löhne und für Miete betragen mittlerweile um rund 10.000,- € mehr als wir von der Gemeinde an Förderung erhalten. Bezüglich der Miete - die von der MA13 unmittelbar an die Gesiba überwiesen wird - standen wir in Verhandlungen mit der Gesiba um eine Mietreduktion und Renovierung. Außerdem ist über die Schlichtungsstelle ein Rechtsstreit mit der Gesiba um eine gerechtere Aufteilung der Betriebskosten zwischen dem Kulturzentrum und dem Beisl anhängig, weil beim Beisl als kommerziellem Gastronomiebetrieb relativ zur Fläche weit mehr Betriebskosten (Müll, Wasser) anfallen. Dabei steht auch das Mietrecht gegen uns, da der Hof-Betrieb (Punschstandl, Pavillon und Gartenbetrieb) sowie der Schanigarten des Beisl im Hof und in der Schrankgasse nicht in die Betriebskosten eingerechnet wird, die sich allein nach der Innenfläche (!) richten.
Im März sind nun die Verhandlungen mit der Gesiba auf ganzer Linie gescheitert.
Der Ausgang des Verfahrens auf der Schlichtungsstelle ist ungewiss und zeitlich nicht absehbar. Die Gesiba hält im aus den Mieten finanzierten Reparaturfonds rund 200.000,- zurück und nimmt KEINE, auch nicht die kleinste dringendst notwendige Renovierung vor.
Wir sollen uns an die Stadtpolitik wenden, in deren Kompetenz die Entscheidungsgewalt läge - während diese wiederum bei Mietfragen an die Gesiba verweist.
Das bedeutet für das Kulturzentrum nun, dass eine akute Finanzierungslücke besteht, für die quasi sofort eine Lösung gefunden werden muss - abgesehen davon, dass Kosten für ALLES außer Miete und dem Minimalstand an Personal (also Büromaterial, Internet, Telefon, Kopierer, Ausstattung, Möbel, Technik, usw. und so fort) – längst nicht mehr durch die Subvention abgedeckt sind. Und da stehen wir wieder bzw. immer noch – und täglich grüßt das Murmeltier…
Das Problem ist umso drängender, als aus vereinstechnischen Gründen unmittelbarer Handlungsbedarf besteht, u.a. auch deshalb, weil andernfalls Personen, die als Vorstandsmitglieder seit vielen Jahren in einer dauerhaften Krisensituation mit unerschütterlicher Solidarität dem Kulturzentrum die Stange gehalten haben, privat für etwaige Defizite haften würden.
Unter diesem Druck wurde in einer Krisensitzung des Vorstands ein Beschluss gefasst, dass Personalkürzungen beschlossen werden müssen - wenn es zu keiner politischen Lösung kommt.
Die Folgen von weiteren Personaleinsparungen wären für das Zentrum verheerend und in ihren Konsequenzen gar nicht absehbar.
Ein Termin mit der neuen zuständigen Stadträtin Frauenberger soll noch abgewartet werden. Allerdings wissen wir, dass nicht nur das Kulturzentrum im Amerlinghaus, sondern auch viele andere emanzipatorische Projekte seit langem ausgehungert werden und ums Überleben kämpfen, und immer mehr Freiräume im Zuge urbaner „Aufwertungsprozesse“ von Mainstream und Kommerz verdrängt werden.
Gerade deshalb müssen wir um den Weiterbestand des Kulturzentrums in seiner jetzigen Form kämpfen! Wir streben eine politische Lösung an. Nicht auf Kosten anderer, und nicht durch eine Änderung der Struktur des Hauses - denn Räume gesellschaftlicher Teilhabe und Involvierung sind unverzichtbar, und Engagement braucht Raum und eine solidarische Infrastruktur, die diesem wohlwollend und unterstützend entgegen kommt, niedrigschwellig zugänglich und administrativ gut koordiniert ist.

Wehren wir uns gemeinsam für ein gutes Leben für alle! Wir halten und bleiben nicht still!

Das Kulturzentrum braucht eure Unterstützung und Solidarität:
WATCH OUT FOR ACTION!
Für mehr und nicht weniger politische, soziale, kommunikative Zentren!
Für mehr emanzipatorische politische Kultur!
Wir bleiben alle und wir werden mehr!

KRISE BRAUCHT KULTUR!
KULTURZENTRUM IM AMERLINGHAUS BLEIBT!


Fotos vom Aktionstag auf:
facebook: Kultur- & Kommunikationszentrum im Amerlinghaus

Di 10. Mai 14 bis 21 h
AKTIONSTAG
beim Rathaus 8., Friedrich-Schmidt-Platz
KULTURZENTRUM im AMERLINGHAUS BLEIBT...
links offen nicht-kommerziell

Aktionstag mit Gruppen & Initiativen
Infos, Theater, Musik, Kursen, Diskussion & mehr...

Das Amerlinghaus darf nicht dem neoliberalen Sparstift zum Opfer fallen!
Mehr Sparen geht nicht, aus Schluss!
Ausbau statt Abbau!

Wir fordern die Fortführung des offenen, niederschwelligen, kritischen Konzepts des Zentrums!
Wir fordern, dass der nicht-kommerzielle, unterstützende Ansatz, der den Zugang von prekarisierten, finanzschwachen, selbstorganisierten Initiativen zu den Ressourcen des Zentrums sichert, erhalten bleibt!
WIR BLEIBEN ALLE - UND WIR WERDEN MEHR!

-> Aktionstagflyer A4 A6


Presseaussendung der Hausgruppen vom 4. Mai 2016

Amerlinghaus muss selbstverwaltetes Kulturzentrum bleiben!

Utl.: Gruppen rufen zum Aktionstag am 10. Mai beim Rathaus auf


Wien - Das linke Kulturzentrum Amerlinghaus in Wien ringt weiter um eine für den Weiterbetrieb ausreichende Subvention. Sollten die Zahlungen der Stadt Wien, die seit 2004 nicht mehr valorisiert wurden, nicht endlich an die massiven Kostensteigerungen angepasst werden, drohen existenzbedrohende Kürzungen beim Personal und der Infrastruktur. „Das Amerlinghaus darf nicht dem neoliberalen Sparstift zum Opfer fallen“, sagt Tina Holzer. „Hier treffen einander Menschen aller Altersgruppen, Migrant_innen, Künster_innen, politisch Aktive ebenso wie Obdach- und Erwerbsarbeitslose.“ Das Kultur- und Kommunikationszentrum ist seit über 40 Jahren eine niederschwellige Einrichtung für kritische, nicht kommerzielle Gruppen und soziale Initiativen.

Um gegen die Zerstörung dieser Freiräume zu protestieren, rufen die über 70 Hausgruppen des Amerlinghauses am Dienstag, den 10. Mai von 14.00 bis 21.00 Uhr zu einer Aktion beim Rathaus in Wien auf (Friedrich-Schmidt-Platz, 1080 Wien). Von 16.30 bis 17.00 Uhr stehen Vertreter_innen von Gruppen, Jugendorganisationen und Unterstützer_innen für Mediengespräche zur Verfügung.

Unter ihnen die langjährige Menschenrechtsaktivistin Paula Abrams-Hourani: „Schon in den 70er und 80er Jahren wurden hier wichtige gesellschaftspolitische Kampagnen entwickelt. Unter den früheren Nutzer_innen des Amerlinghaus sind bekannte Namen wie Georg Hoffman-Ostenhof, Rubina Möhring und Peter Pelinka.“ Wir bitten alle ihre Solidarität mit dem Amerlinghaus öffentlich zu zeigen, nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen seiner gegenwärtigen Position als interkulturelles, offenes und kritisches Zentrum.


-> AKTUELL Mai 2016: MAYDAY! MAYDAY! Der Hut brennt!

-> Flugi zum 1. Mai


ARCHIV

[- AKTUELLES]


Das waren die Kampagne & Aktionstage Besetzt!
40 Jahre Kulturzentrum im Amerlinghaus
-->> Aktionstage-Programm
-->> Broschüre zur Kampagne

Juni 2014: Amerlinghaus vorerst gerettet

Factsheet vom 24.04.2014: Geplante Subventionskürzung / Dringlichkeit einer Lösung

Stellungnahme des Kulturzentrums im Amerlinghaus April 2014 zur geplanten Kürzung der Subvention um 60%

Info zur aktuellen Lage April 2014

Text zur Subventionspolitik und zur finanziellen Lage 2013

Amerlinghaus bleibt!
Aussendung Dezember 2011


Kulturzentrum Spittelberg | Amerlinghaus in Gefahr!
Flugblatt 2010


Was im Amerlinghaus abläuft: Was in 2 Sätzen nicht zu erklären ist
Wir betreuen nicht. Wir stärken
Artikel erschienen im Augustin 02/2007

Amerlinghaus 1997
Kurze Betrachtung von Herbert Sburny


Das Amerlinghaus: Vom Scheitern und Überleben eines Experiments
Artikel von Christof Reinprecht


Soziale Bewegungen in Österreich
Ausschnitt eines Artikels von Robert Foltin


Der Spittelberg
Aus einem Projekt von Gerald Grassl


Mai 2016: MAYDAY! MAYDAY! Der Hut brennt!
WAS IST SCHON WIEDER MIT DEM KULTURZENTRUM IM AMERLINGHAUS LOS?!

Seit 41 Jahren ist das Zentrum kontinuierlich eine offene, niederschwellige Struktur, in der gesellschaftsemanzipatorische und selbstorganisierte Initiativen arbeiten, die auf das Kulturzentrum als Ressource angewiesen sind. Um das Zentrum als nicht-kommerziellen Kommunikationsraum zu erhalten, müssen wir seit vielen Jahren um eine ausreichende Förderung durch die Gemeinde Wien kämpfen. Bis jetzt haben wir es gemeinsam mit vielen Gruppen und Initiativen im Kulturzentrum und außerhalb geschafft, das Kulturzentrum im Amerlinghaus zu erhalten.
Nach Jahren des prekären Weiterarbeitens ohne Planungssicherheit wurde jedoch auch für 2016 unsere drängende Forderung nach einer ausreichenden Grundkostenförderung nicht erfüllt. Das geht auf Kosten der Qualität und des Umfanges unserer Arbeit und der Arbeit der rund 70 Gruppen im Kulturzentrum im Amerlinghaus. Jahrelang wurde an allen Ecken und Enden gespart, um mit dem real immer weniger werdenden Fördergeld auszukommen, während gleichzeitig der Bedarf an Freiräumen steigt, die, entgegen der fortschreitenden sozialen Verdrängung und Kommerzialisierung, einen sorgsamen und inkludierenden Umgang miteinander in den Mittelpunkt stellen.
Kosten für Büromaterial, Internet, Telefon, Kopierer, Ausstattung, Beleuchtung, Technik, Veranstaltungsbereich, usw. sind längst nicht mehr durch die Subvention abgedeckt. Notwendige Renovierungsarbeiten können nicht durchgeführt werden, die technische Infrastruktur fällt auseinander. Nun sind auch die Verhandlungen mit der Gesiba um eine Mietreduktion, eine gerechtere Verteilung der Betriebskosten und Geld aus dem prall gefüllten Reparaturtopf (um die 200.000,- aus den Mieten) gescheitert. Die Gesiba verweist uns an die Stadt und vice versa. Und auch seitens des kommerziellen Amerlingbeisl gibt es keinerlei Entgegenkommen.
Gegenwärtig sind wir an einem Punkt angelangt, an dem allein die Kosten für den Minimalstand an Personal und für Miete (die direkt von der Gemeinde an die gemeindenahe Gesiba überwiesen wird) um rund 10.000,- € mehr betragen als wir von der Gemeinde (MA 13) an Förderung erhalten. Und da stehen wir wieder bzw. immer noch – und täglich grüßt das Murmeltier…
Mehr Sparen ist nicht möglich! Eine politische Lösung ist nötig! Nicht auf Kosten anderer, und nicht durch eine Änderung der Struktur des Zentrums - denn Räume gesellschaftlicher Teilhabe und Involvierung sind unverzichtbar, Engagement braucht Raum und eine solidarische Infrastruktur, die diesem wohlwollend und unterstützend entgegen kommt, niederschwellig zugänglich und administrativ gut koordiniert ist. In einer schwierigen gesamtgesellschaftlichen Situation fortschreitender Entsolidarisierung und Abschottungspolitik hat das Kulturzentrum, das am Limit seiner Auslastungsgrenze ist, noch ein Stück weiter aufgemacht, um Raum und eine solidarische Infrastruktur für dringend nötige antirassistische Bildungsarbeit und Selbstorganisation zur Verfügung zu stellen. Nun ist es an der Zeit, dass die politisch Verantwortlichen handeln.
Nicht-kommerzielle Strukturen, innerhalb derer inklusive gesellschaftliche Konzepte entwickelt
und solidarisches Handeln bestärkt werden, sind wichtiger denn je!
Es kann nicht sein, dass für Einrichtungen, die nicht der neoliberalen Verwertungslogik entsprechen,
immer weniger Mittel zur Verfügung gestellt werden!
Wir sind kein Einzelfall und wir meinen, dass es im öffentlichen Interesse liegt,
vielfältige, kritische Denk-, Handlungs-, Lebens- und soziale Räume zu erhalten!
Wir fordern eine politische Lösung! Mehr Sparen ist nicht möglich, aus Schluss! Ausbau statt Abbau!
Wir wollen keinen weiteren Personalabbau und keine Haus-Aufsicht!
Wir fordern die Fortführung des offenen, niederschwelligen, kritischen Konzepts des Zentrums!
Wir fordern, dass der nicht-kommerzielle, unterstützende Ansatz, der den Zugang von prekarisierten, finanzschwachen, selbstorganisierten Initiativen zu den Ressourcen des Zentrums erhalten bleibt!
Abseits von Mainstram und Konsumrausch sind wir ein Zentrum für die lebendige Zivilgesellschaft und wollen das auch bleiben!

Wir werden um den Weiterbestand des Kulturzentrums kämpfen!
Kulturzentrum im Amerlinghaus bleibt!

-> AKTIONSTAG DI 10. MAI ab 14 h beim Rathaus


Kulturzentrum im Amerlinghaus bleibt!

Juni 2014: Wir haben es geschafft!

In einem Gespräch mit dem Vorstand des Kulturzentrums im Amerlinghaus am 21. Mai teilte uns Stadtrat Oxonitsch mit, dass für 2014 nun doch die volle Subvention in gleicher Höhe wie im Vorjahr bewilligt wird.
Im Gemeinderat wurde dann am 25.06.2014 zusätzlich zu den bereits gesicherten 113.000,- € (davon 60.000,- direkt an die GESBA!) eine Nachtragsförderung in der Höhe von 132.000,- beschlossen.
Damit ist die Existenz unseres Zentrums für 2014 gesichert!
Mit dieser Förderung sind die Grundkosten für das Haus (Miete, Energie) gedeckt, und auch die für den Betrieb nötigen Arbeitsplätze können erhalten werden. Allerdings müssen wir auch darüber nachdenken und diskutieren, wie wir mit solcherlei Disziplinierungs- und Zermürbungstaktiken, einer de facto sinkenden Förderung und steigenden Kosten zukünftig umgehen sollen und können.
Es ist skandalös und anstrengend, dass jedes Jahr aufs Neue Protestmaßnahmen nötig sind, um von der Gemeinde eine Unterstützung zumindest zur Deckung der Grundkosten zu erhalten.
Doch für jetzt gilt: Diese Entscheidung war keineswegs vorhersehbar, sondern ist das Ergebnis unserer Anstrengungen und Kämpfe!

Seit Jahren muss das Kulturzentrum um eine ausreichende Finanzierung durch die Gemeinde Wien kämpfen, damit das Zentrum als nicht-kommerzieller und niederschwelliger Kommunikationsraum für viele Initiativen erhalten bleiben kann. Im April und im Mai 2014 mussten wir uns wieder einmal gegen die erneuten Versuch der Gemeinde wehren, durch Subventionskürzungen und Hinhaltetaktiken die Infrastruktur des Zentrums zu zerschlagen. Wir wehren uns gegen die Aushungerung, Räumung, Unsichtbarmachung von sozialer, trans-kultureller und Bildungsarbeit, denn dies ist ein Angriff auf uns alle. Wir sind nur eines von vielen von widerständig-unbequemen Zentren, in denen kritische und solidarische Gesellschaftsentwürfe in die Praxis umgesetzt werden, und die von Kürzungen und strukturellen Eingriffen bedroht sind.

Wir zeigen uns solidarisch mit allen anderen Betroffenen, die derzeit mit Sozialabbau und Subventionskürzungen kämpfen. Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen. Wir müssen stark, entschlossen und gemeinsam für unsere Rechte und gegen Sozialabbau kämpfen. Wir sagen: Wer Banken und Konzerne rettet, kann auch widerständige Kultur retten.

Gegen die neoliberale Verwertungslogik!
Lassen wir nicht zu, dass einmal mehr kritische, prekarisierte, nicht-„profitable“ Gruppen verdrängt und unsichtbar gemacht werden sollen!

Wir möchten allen herzlich danken, die sich an den Protestaktionen zum Erhalt des Kulturzentrums Spittelberg im Amerlinghaus beteiligt haben: Ihr wart großartig! Solidarität ist unsere Waffe!

Eure Berechnung muss mit unserem Widerstand rechnen!
Für mehr und nicht weniger Freiräume!
Für das Recht auf Stadt!

Kleine Auswahl - Medienberichte & Presse:

http://www.augustin.or.at/zeitung/vorstadt/60-prozent-weniger-machten-keinen-eindruck.html

http://derstandard.at/2000002405231/Vorerst-Happy-End-fuer-Amerlinghaus

https://www.youtube.com/watch?v=t2gU7pmPqd0

http://www.labournetaustria.at/amerlinghaus-bleibt-protestdemonstration-kundgebung-am-17-4-2014-gegen-die-beabsichtigte-kurzung-der-subvention-um-60-durch-die-ma-13/

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Factsheet vom 24.04.2014: Geplante Subventionskürzung / Dringlichkeit einer Lösung

1) Ausgangslage

Nach zweijährigen Verhandlungen unter Einbeziehung von MA 13, SPÖ (GR Florianschütz) und Grünen (Nikolaus Kunrath) wurde die Einigung erzielt, dass künftig ein Förderantrag nur mehr auf Basis der Grundkosten eingebracht wird. Das umfasst Miete, Energie und Personalaufwand laut dem festgestellten Mindeststand von einer Vollzeitkraft (Reinigung) und drei Teilzeitkräften (zwei Kolleginnen Büro und Koordination, eine Kollegin Arbeit mit der Generation 50+). Weiters gab es eine Einigung, dass der Verein im Rahmen eines gleichzeitig vorgelegten neuen Konzeptes für die darüberhinausgehenden, laufenden Kosten der Projekt- und Betreuungsaufgaben aufkommen wird.

Die vom Verein vorgelegte Neukonzeption wurde von der Leiterin der MA 13, Mag.a Bauer-Sebek gewürdigt und beinhaltet, dass die Gruppen sowohl durch ihre Tätigkeiten wie durch ihre Kostenbeiträge den gesamten Projektaufwand des Hauses abdecken.

Der Beschluss, der am 29. April 2014 im Gemeinderat gefasst werden soll, umfasst nun nur einen Teil der Grundkosten, welcher nur noch die Finanzierung einer Halbtags-Reinigungskraft umfasst.Sämtliche anderen Mitarbeiterinnen müssten gekündigt werden.

Der Verein Kulturzentrum Amerlinghaus bietet Raum und Infrastruktur für rund 60 Initiativen und einen weiten Kreis von punktuellen Nutzer_innen. Der Bogen ist dabei weit gespannt: Generationenarbeit, Kommunikations- und Vernetzungsraum, Kulturveranstaltungen, Deutschkurse, Roma-Verein, Veranstaltungen mit Holocaust-Überlebenden und vieles mehr. Eine Subvention für das Haus ist keine Subvention für nur einen Verein, sondern fördert implizit eine Vielzahl an Vereinen und Gruppen, und schafft darüber hinaus synergetische und integrative Effekte.

Das Haus hat eine Nutzer_innenfrequenz von rund 50.000 Menschen im Jahr. Zum Vergleich: Die Stadtteilzentren des VWJZ in Wien haben laut dem letzten Jahresbericht Frequenzen von durchschnittlich rund 29.000 Kontakten.

2) Die akute Gefährdung des Überlebens durch die aktuelle Kürzung

Die derzeit avisierte Jahressubvention 2014, die am 29.04. im Gemeinderat beschlossen werden soll, würde eine Subventionskürzung von 60% bedeuten und damit eine Kündigung des Personals auslösen.

Der Verein hat, ausgehend von der letztjährigen Subvention von 245.000,-, ein Grundkostenbudget erstellt und als Ansuchen eingebracht. Per 30.04. ist das erste Drittel des Jahres um, es ist also ein Drittel der Kosten angefallen, konkret rund 80.000,- Euro für Personalkosten, Energiekosten, Sachversicherungen, Reparaturen und Instandhaltungen.

Im budgetierten Betrag enthalten sind anteilige Mieten von 20.000,- Euro bis Ende April. Der Beschluss des GR verlangt allerdings, dass die volle Jahresmiete von 60.000,- sofort an die Gesiba überwiesen wird.

Das bedeutet, dass per 30.04. Ausgaben von ca. 120.000,- Euro zu verbuchen sind. Bei einer Subventionszusage von 113.000,- per 29.04. stellt das den Verein vor ein existentielles Problem. Spätere Verhandlungen über weitere, dem Verein in der Höhe nicht bekannte, Zuwendungen könnten zu spät sein.

Der Beschluss ohne weitere verbindliche Zusagen (die ausreichend sind für Bankgarantien) würde folgerichtig bedeuten, per 30.04.2014 alle Angestellten zu kündigen sind (Kündigungsfrist 4 Monate zum Quartal, also 30.9.2014, zusätzlich Abfertigung alt, beides in der Subvention nicht mehr enthalten).

Es bedarf also dringendst einer Lösung.

3) Bereits erfolgte Einsparungen

Der Verein hat in den vergangenen Jahren wiederholt Personalkürzungen hinnehmen müssen. Nun ist der Verein mit einer Vollzeitkraft (Reinigung) und drei Teilzeitkräften (zwei Kolleginnen Büro und Koordination, eine Kollegin Arbeit mit der Generation 50+) am absoluten unteren Limit.

Bei einer Nutzer_innenfrequenz von rund 50.000 Menschen pro Jahr sind der Betrieb und die Sicherheit des Hauses mit weniger Personal nicht aufrecht zu erhalten. Das bestätigte auch das Kontrollamt der Stadt Wien. Das Kontrollamt hat unsere Finanzaufstellung geprüft und für richtig befunden, sich sogar gewundert, wie mit diesem Betrag auszukommen ist.

Wir weisen darüber hinaus darauf hin, dass die späte Überweisung der Subvention die Notwendigkeit von Banküberzügen bedeutet. Der dadurch entstehende Zinsaufwand kürzt noch einmal die Subvention um mehrere tausend Euro per anno.

4) Verein ist gut aufgestellt und konzeptioniert

Das Haus hat eine enorm hohe Frequenz und ist am Limit der Auslastungsgrenze. Das Konzept ist richtig und erfolgreich. Es wird von den Nutzer_innen angenommen und liegt auch in der grundsätzlichen Konzeption der Subventionsgewährung der Stadt Wien.

Eine verstärkte Fremdvermietung ist weder machbar noch wünschenswert. Die Kapazitätsgrenze ist erreicht, jede Vermietung bedeutet, dass nicht-kommerzielle Gruppen die Räume weniger nützen können. Die Grundkonzeption des Vereins ist aber gerade die Raumnutzung für Gruppen, die keine kommerziellen Möglichkeiten und Interessen haben bzw. den Aufwand hierfür auch nicht aufbringen können.

Nur dank der Grundstruktur des Hauses und des Personals ist es nach 36 Jahren ohne Renovierung überhaupt möglich, das Haus zu bespielen. In diesem Zusammenhang dürfen wir auch daran erinnern, dass die von Herrn Stadtrat Oxonitsch mit unserem Vorstandsmitglied Michael Bonvalot vereinbarte Sondersubvention zur Renovierung noch nicht umgesetzt wurde, obwohl die Gesiba aus unseren Mietzahlungen über rund 200.000 Euro Mietzinsreserve verfügt. Allein die Zinsen daraus würden schon eine Verbesserung der Lage bedeuten.

Das Haus ist nach 36 Jahren ohne Reparaturen nicht in einem Zustand, der kommerzielle Vermietungen denkbar macht.

5) Eigenmittel des Hauses

Wir anerkennen die Notwendigkeit von Eigenmitteln der Nutzer_innen des Hauses. Der Verein konnte in der vergangenen Periode die Eigenmittel bereits erhöhen und wird sich in Zukunft nochmals verstärkt um Eigenmittel bemühen, ohne dabei die prekäre Situation der Nutzer_innen des Zentrums aus den Augen zu verlieren.

Es gibt laufende Verhandlungen mit dem Lokal im Haus sowie mit der Gesiba. Auch hier erwarten wir im Lauf der nächsten Monate weitere Eigenmittel. Im Zusammenhang der Verhandlungen der letzten Jahre wurde auch über eine Mietreduktion verhandelt, wobei bereits ein kleiner Teilerfolg von 5.000,- Mietreduktion erreicht wurde.

Wir weisen darauf hin, dass der wesentlichste Teil der Eigenmittel durch Sach- und Eigenleistungen erbracht wird.

Von den im Haus tätigen Initiativen erbrachte Eigenleistungen:

- für soziale & beratende Aufgaben (Lehrtätigkeit, juristische Beratung, sozialarbeiterische Tätigkeiten, psychosoziale Beratung, Coaching, Trainerleistungen, EDV-Kurse für Senior_innen u.ä.) 120.000,-
(absolute unterste Bewertungsgrenze)
- bildnerische &kreative Aufgaben 60.000,-
- Instandhaltungsarbeiten, Reparaturarbeiten seitens der Gruppen 20.000,-
-Erhoffte Spenden u. ähnl. 15.000,-

Die Grundkosten für das Haus als räumliche Substanz und eingangs angeführten Mindestpersonalstand belaufen sich laut eingebrachtem Budget auf 260.000€.

6) Resümee

- Bei einer Beschlussfassung am 29. April in der beantragten Form von 113.000,- steht der Verein vor einer existenzbedrohenden Situation.
- Der Verein braucht dringend eine verbindliche Zusage über weitere Mittel, wobei die Basis das von uns eingebrachte Subventionsansuchen für die Bestreitung der Grundkosten darstellt.

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Stellungnahme des Kulturzentrums im Amerlinghaus April 2014 zur geplanten Kürzung der Subvention um 60%

Die Gemeinde Wien plant, die Subvention für das Kulturzentrum im Amerlinghaus von 245.000,- um mehr als die Hälfte auf 113.000,- zu kürzen. Davon sollen noch 60.000,- Euro direkt an die GESIBA (zu 99,97 % im Eigentum der Stadt Wien) überwiesen werden statt an den Verein. Ob dies überhaupt rechtlich möglich ist, wird von uns gerade juristisch geprüft.
Damit bleiben dem Kulturzentrum im Amerlinghaus 53.000,- Euro für 2014. Daraus schließen wir, dass die Gemeinde Wien das Kulturzentrum im Amerlinghaus endgültig zerschlagen will.
Es entspricht keineswegs den Tatsachen, dass eine um 60% gekürzte Förderung den Betrieb des Kulturzentrums im Amerlinghaus absichert, wie medial kolportiert wird.
Die 2013 in mühevollen Verhandlungen mit der MA 13 erzielte Einigung über eine Grundkosten-Förderung in der Höher von 245.000,- ist das unterste Limit, auf dem ein Betrieb des Zentrums als offenes, intergenerationelles, transkulturelles und politics-übergreifendes Basiskulturzentrum möglich ist. Wenn es zu keiner Subventionierung (mit Wertanpassung) mindestens in dieser Höhe durch die Stadt kommt, dann muss das Kulturzentrum im Amerlinghaus seinen Betrieb einstellen. Zumindest das, was das Haus bisher ausmachte, ist dann nicht mehr möglich. Irgendwas kann die Gemeinde schon mit dem Haus machen, aber dann hat sie einen der letzten Orte selbstbestimmten und geförderten Handelns in dieser Stadt preisgegeben.
Es ist zynisch, eine 60%ige Kürzung in den Kontext einer Neukonzeptionierung zu stellen. Die Strukturen des Kulturzentrums sind absolut zeitgemäß, umsomehr, als sie zur Sichtbarkeit, zur Präsenz und zur Inklusion von Menschen beitragen, die von gesellschaftlichen Entwicklungen betroffen sind, die sie immer mehr in Armut, Prekarität, Marginalisierung und Unsichtbarkeit drängen. Eine Neukonzeptionierung, so wie sie von uns gedacht ist, bringt eine Ausweitung des Zentrums mit sich und eine Vervielfältigung öffentlicher, solidarischer und inkludierender sozialer Räume, aber nicht eine Zerschlagung eines wichtigen und dynamischen sozialen Zentrums in Wien, ohne politische Diskussion und nach neoliberaler Verwertungslogik
Seitens einzelner Politiker_innen und auch aus dem Büro der Vizebürgermeisterin ist nun die Rede davon, dass die am 1. April im für die MA13 zuständigen Ausschuss beschlossenen 113.000,- € nur die Subvention für die erste Jahreshälfte sind und wir eine weitere Tranche an Fördergeldern bekommen werden. Aus der MA 13 und dem Büro von Stadtrat Oxonitsch wird signalisiert, dass dies nicht der einzige Zuschuss 2014 sein wird.
Wir fragen uns nur, wem die MA13 diese Zuschüsse geben will, denn dem Verein Kulturzentrum Spittelberg als dem Trägerverein liegen keinerlei Zusagen dieser Art vor, die einen gesicherten Weiterbetrieb gewährleisten würden.
Weder wurde offiziell dem Vorstand gegenüber eine zweite Tranche für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellt, noch gibt es schriftliche Hinweise darauf, dass die dem Gemeinderat zur Beschließung vorgelegten 113.000,- eine Subventionierung des ersten Halbjahres wären. Ganz im Gegenteil hat die Leiterin der MA 13 dem Obmann des Vereins letzte Woche auf Nachfrage bestätigt, dass die 113.000,- € die Jahressubvention für 2014 sind. Daran ändert auch eine von ihr geäußerte vage Aussage nichts, dass es „bei Wohlverhalten“ weitere Gelder geben könnte. Wie wir wissen, wurde auch im Ausschuss, dessen Beschluss in der Gemeinderatssitzung am 29. April abgestimmt werden soll, explizit eine Förderung „für das Jahr 2014“ beschlossen, und zwar ausschließlich für den Erhalt des Hauses als räumliche Substanz.
Dass der Erhalt des Betriebes als Kultur- und Kommunikationszentrum mit den 60 Gruppen und einem weitem Kreis an Nutzer_innen nicht intendiert ist, legt auch die wiederholte Aussage seitens der MA 13 nahe, wir sollen uns doch reiche Mieter_innen suchen.
Auf dieser Basis kann der Verein unmöglich weiterarbeiten. Wir als Verein tragen die Verantwortung dafür, dass wir auf sicheren Grundlagen arbeiten, Andeutungen von Beamt_innenschaft und Politik sind dies allerdings nicht.
Wenn uns nicht umgehend weitere Förderungen verbindlich zugesagt werden, ist der Verein gezwungen, den Betrieb einzustellen. Dies bedeutet in aller Klarheit: mehr als 60 Initiativen und Gruppen, dazu noch eine ganze Reihe von Kulturschaffenden und Aktivist_innen, die auf das Zentrum als Kommunikationsraum und niederschwellige Ressource angewiesen sind, stehen ohne betreute Infrastruktur und ohne Projektbetreuung und Koordination da. 4 Arbeitsplätze - eine Vollzeit- und 3 Teilzeitarbeitsplätze - werden verloren gehen, die Mitarbeiter_innen müssen gekündigt werden.
Die Gemeinde zwingt einen schuldenfreien Verein mit ordentlicher Geschäftsgebarung ins Aus, und versucht dabei noch dazu, die Verantwortung dafür auf das Kulturzentrum abzuschieben, indem uns „Misswirtschaft“ unterstellt wird, davon kann jedoch keine Rede sein.
Zur Verdeutlichung:
Wenn wir die von der Wirtschaftskammer veröffentlichten Zahlen zur Inflationsentwicklung als Basis nehmen, so ergibt sich eine reale Subventionskürzung seit dem Jahr 2004 von 253.790,55 Euro. Dieser Betrag hat in den letzten sechs Jahren das Amerlinghaus nicht erreicht – allerdings hat er sich in den entsprechend gestiegenen Kosten bemerkbar gemacht und zum existenziellen Dilemma geführt.

Aufstellung*:
Jahr - Inflationsentwicklung - Subvention - Summe mit Wertanpassung
2004 - 847,5 - 250.000,00 - 250.000,00
2005 - 867 - 250.000,00 - 255.752,21
2006 - 880 - 250.000,00 - 259.587,02
2007 - 899,4 - 250.000,00 - 265.309,73
2008 - 928,2 - 250.000,00 - 273.805,31
2009 - 932,8 - 250.000,00 - 275.162,24
2010 - 950,5 - 250.000,00 - 280.383,48
2011 - 981,9 - 250.000,00 - 289.646,02
2012 - 1005,5 - 250.000,00 - 296.607,67
2013 - 1025,6 - 245.000,00 - 302.536,87

Summeder Subventionen: 2.495.000,00
Summe der wertangepassten Summen: 2.748.790,55
Differenz seit 2004: 253.790,55

2012 wurde der Verein aufgrund der über viele Jahre nicht erfolgten Wertanpassung bei gleichzeitiger Kostensteigerung mit einer zusätzlichen Sondersubvention in der Höhe von € 140.000,- entschuldet. Hier wird aber deutlich, dass dieser Betrag bei weitem nicht die Inflationsrate abdeckt.
Abschließend ist zu sagen, dass, so lange uns keine verlässlichen und seriösen Zusagen über eine ausreichende Subvention für das Kulturzentrum gemacht werden, wir davon ausgehen müssen, dass die Gemeinde das Kulturzentrum im Amerlinghaus zerschlagen will.

Das werden wir nicht zulassen.
..............................
* Die Inflationsrate der WKO-Statistik (veröffentlicht auf http://wko.at/statistik/Extranet/Langzeit/lang-inflation.pdf) ergibt sich aus einem Wert von 100 für das Jahr 1950. Die jährliche Inflation erhöht diesen Wert, die Valorisierung z.B. für 2005 errechnet sich daher so: 250000*867/847,5=255752,21.

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Info zur aktuellen Lage April 2014

Im Lauf dieser Woche erhielten wir nach langer Hinhaltetaktik von Seiten der Gemeinde neue Informationen bezüglich der Förderung für das Zentrum für das Jahr 2014, die nur den Schluss zulassen, dass das Kulturzentrum im Amerlinghaus endgültig zerschlagen werden soll.
Das werden wir so nicht zulassen!

Zur Situation:
Bis Mitte März wurden wir in der Annahme bestärkt, dass nach Jahren zäher Verhandlungen und fehlender Planungssicherheit 2013 ein Konsens mit der Gemeinde Wien erreicht worden war und die Subvention heuer zwar extrem spät, aber zumindest im Ausmaß der ausverhan¬delten Grundkosten beschlossen werden würde.
Am 26. März hat nach langem Insistieren von unserer Seite endlich ein Gespräch zwischen der Leiterin der für uns zuständigen MA 13, Bauer-Sebek, mit unserem Obmann stattgefunden, bei dem sie ihm immer noch nicht Informationen in Bezug auf die Höhe der Förderung gab, allerdings vage ohne nähere Angaben erstmals von einer Kürzung sprach.
Diesen Montag mussten wir dann aus der U-Bahnzeitung „Heute“ erfahren, dass die Stadt die Subvention von 245.000,- um mehr als die Hälfte auf 113.000,- kürzen wolle. Und davon sollen noch 60.000,- Euro direkt an die GESIBA (zu 99,97 % im Eigentum der Stadt Wien) überwiesen werden statt an den Verein.
So unglaublich das auch erscheinen mag, es wurde tatsächlich am Mittwoch in der MA13-Ausschusssitzung ein Beschluss dieses Inhalts in Bezug auf die Subvention für das Kulturzentrum im Amerlinghaus zur Vorlage für den Gemeinderat gestellt.
Das Argument seitens der MA 13 für ihr Vorgehen, nämlich dass die Dezember-Miete von 5.000,- € nicht bezahlt wurde, kann nur als fadenscheinig bezeichnet werden: Bei der Gesiba wurde bezüglich dieser Miete eine Stundung beantragt, die vom Vorstand auch der MA 13 gegenüber ausführlich begründet wurde. Denn erstens konnte im Vorjahr bei der Gesiba eine jährliche Mietreduktion im selben Ausmaß von 5.000,- erwirkt werden und zweitens wird für das Jahr 2013 auch noch ein Betriebskostenguthaben von über 5.000,- fällig.
Darüber hinaus verfügt die Gesiba über einen Reparatur- und Instandhaltungstopf für das Amerlinghaus mit rund 200.000,- €, zurückgelegt von den Zahlungen des Kulturzentrums.
Wenn der Gemeinderat in der nächsten Sitzung am Dienstag, 29. April 2014 dann wie vorgesehen die Jahressubvention von 113.000,- € beschließt, müssten wir umgehend den Betrieb des Kulturzentrums einstellen. Wenn davon 60.000,- direkt an die GEsiba gehen und nur 53.000,- im Mai ausbezahlt werden, gehen rund 2/3 sofort für die Banküberziehungen an die Bank zurück, mit denen von Jänner bis Mai Ausgaben für Strom, Gehälter, Krankenkasse, Finanzamt überbrückt wurden. Übrig bleiben rund 20.000,- € .
Wie soll sich das nun ausgehen? Während die MA13 direkt und im Voraus die Mietforderungen der Gesiba bedienen will, bleiben dem Kulturzentrum 53.000,- für Kosten für Betrieb und Personal von Jänner 2014 bis zum jetzigen Zeitpunkt. Es liegt auf der Hand, dass dies das Aus für das Kulturzentrum in seiner jetzigen Form bedeutet, sowohl für die Angestellten als auch für die über 60 Gruppen und Einzelpersonen, die im Zentrum aktiv sind.
Daran ändern auch von MA13 geäußerte vage Andeutungen nichts, dass es „bei Wohlverhalten“ noch weitere Gelder geben sollte. Wir können eine Weiterarbeit aber nicht auf Basis von vagen Andeutungen planen. Der Ausschussbeschluss bezieht sich explizit eine Jahres- und nicht eine Halbjahressubvention. Entweder bekennt sich die Gemeinde Wien zum Kulturzentrum und stellt wieder Planungssicherheit her, oder es ist klar, dass die Rot-Grüne Koalition das Kulturzentrum nach 36 Jahren abschaffen will.
Indem an die Gesiba gezahlt werden soll, während das Kulturzentrum in den Ruin getrieben wird, liegt die Vermutung nahe, dass die Gemeinde längst etwas anderes mit dem Haus in exklusiver Lage vorhat. Das werden wir verhindern.

Wir sind dabei, noch vor der Gemeinderatssitzung die Öffentlichkeit zu mobilisieren, um gegen die geplante Zerschlagung des Kulturzentrums im Amerlinghaus zu protestieren.
Dazu bitten wir Euch, Mails an Bürgermeister Häupl, Stadtrat Oxonitsch und Vizebürgermeisterin Vassilakou zu schicken, wer will, findet unten eine Vorlage - übernehmen, ändern … und bitte auch weiterschicken und weitersagen.
Wir begrüßen selbstverständlich auch, wenn ihr zuständige Politiker_innen bzw. die MA13 anruft oder Fragen stellt, oder andere Formen findet, lästig zu sein.

Weiter Aktionen sind geplant.

Amerlinghaus bleibt!
Für mehr und nicht weniger Freiräume!
Für das Recht auf Stadt!

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Text zur Subventionspolitik und zur finanziellen Lage 2013

Die Subvention betrug seit 2004 gleichbleibend 250.000,- €, wurde also über Jahre nicht mehr wertangepasst, was bei steigenden Kosten Finanzierungsengpässe und ein schleichendes Aushungern zur Folge hatte. 2013 subventionierte die Gemeinde Wien das Zentrum erstmals mit nur 245.000,- €, das bedeutet, das die Subvention nur mehr die Fixausgaben für Miete, Betriebskosten, Gas und Strom sowie Personalkosten deckt. Dabei ist ein wesentlicher Bereich der Ausgaben die Miete. Die Miete in Höhe von 55.000,- Euro pro Jahr (ohne Betriebskosten) wird an die Gemeinde-eigene Gesiba bezahlt. Es kann also von einer indirekten Subvention der Gemeinde an die Gesiba gesprochen werden.
Im Herbst 2009 wurde die Krise des Kulturzentrums im Amerlinghaus akut. Es gab zahlreiche kreative Aktionen, Solidaritäts- und Protestaktionen, um den Erhalt der vielfältigen gesellschaftsemanzipatorischen Arbeit des Kulturzentrums einzufordern und einer Entwicklung entgegenzutreten, die - wie viele andere Wiener Initiativen im Sozial-, Kultur- und Bildungsbereich - auch uns hart trifft. Seit vielen Jahren gibt es keine Inflationsanpassung. Der Subventionswert wird immer weniger, Fixkosten werden immer höher, aber wir bekommen nicht mehr Geld. Das geht zu Lasten der Qualität und des Umfanges unseres Angebotes und führt direkt in den Konkurs.
Es ist sehr eng geworden, und ewig geht auch das „Wurschteln“ nicht (mehr).
Halten wir uns vor Augen: Zum Zeitpunkt der offiziellen Eröffnung 1978 (1978 betrug die Subvention 1,5 Millionen Schilling, 1984 2,7 Millionen) und in den ersten Jahren danach konnte mit der Subvention im Kulturzentrum im Amerlinghaus folgendes bezahlt werden: neun Vollzeitangestellte, Miete, Energiekosten, reichlich Büro- und sonstiges Material und dann blieben noch 200.000 öS als Veranstaltungsbudget. Im Lauf der Jahre wurde gespart und gespart, wo es nur geht, vor allem beim Personal.
Der Druck von Seiten der Subventionsgeber, den Eigenmittelanteil zu erhöhen, nahm massiv zu. Die Eigenmittel, die regelmäßig über Gruppen- und Mitgliedsbeiträge, Vermietungen, Raumunkostenbeiträge u.ä. beigesteuert werden, können angesichts des Arbeitsauftrags des Hauses ein bestimmtes Ausmaß nicht übersteigen. Wir halten es für politisch falsch, die Mittel für ein soziales Zentrum von denjenigen zu lukrieren, für die es offen sein soll. Der öffentliche Auftrag, den wir zu erfüllen bemüht sind, sollte nicht einer Verwertungslogik unterworfen werden. In der parteiischen Arbeit, die Randgruppen und materiell Schwache favorisiert, kann das Lukrieren von finanziellen Ressourcen nicht auf eben diese abgewälzt werden. Die vertretbaren, niedrigen Zumutsbarkeitsgrenzen können nicht überschritten werden, ohne dass es zu einem Austausch der Nutzer_innen kommen würde.
Der Verein ist dabei, seine Eigenmittel durch Kooperationen zb mit dem Amerlingbeisl in Form von Soli-Getränken oder durch das fortlaufende Bemühen um Projektförderungen zu erhöhen. Weiter erscheint eine Weiterverfolgung der Strategie der Ausgabenreduktion hinsichtlich der Miete sinnvoll, die in der Höhe von einem Viertel der Subvention an die gemeindeeigene GESIBA abgeführt wird.
Unser Ziel ist die Wiederherstellung der Planungssicherheit und Arbeitsfähigkeit des Kulturzentrums im Amerlinghaus. Mitarbeiterinnen, Gruppen und Initiativen müssen wieder Perspektiven entwickeln können. Kontinuität wäre eine Voraussetzung für aufbauende, konstruktive Arbeit. Dazu wäre eine gesicherte Zusage der Weiterführung der Subventionierung in ausreichendem Masse von Seiten der Gemeinde Wien nötig.
Resultat der langen Verhandlungen und der gleichzeitigen Mobilisierung war eine einmalige Sonderzahlung der Gemeinde 2012, wobei jedoch wie erwähnt die Subvention auf die absolut grundlegenden Grundkosten runtergekürzt wurde und die Auflagen in Rechnungslegung und der Druck zur anderweitigen Finanzierung erhöht wurde. Dies bedeutet eine strukturell labile Ausgangsposition, in der mittelfristig die nächsten existenziellen Krisen bereits angelegt sind.

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Amerlinghaus bleibt!
Aussendungen Dezember 2011

1.
Der Herbst 2011 war für das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus eine sehr turbulente Zeit. Wie bereits in den Jahren zuvor reichte die Jahressubvention aufgrund der seit vielen Jahren nicht erfolgten Wertanpassung für die letzten drei bis vier Monate des Jahres nicht mehr aus. In den im Oktober erfolgten Gesprächen mit der Magistratsabteilung 13 über ein Schreiben an die Bank zur Freigabe eines Überbrückungskredites stellte sich plötzlich heraus, dass die MA 13 den Plan hatte, das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus in der jetzigen Form nur mehr bis Ende Juni 2012 zu finanzieren.
Für die Zeit danach gab es vage Pläne, einerseits einen Teil der Gruppen aus dem Haus auszusiedeln und über Wien zu verstreuen und andererseits nur mehr höchstens einen Arbeitsplatz im Verein Kulturzentrum Spittelberg zu finanzieren. Das Schreiben an die Bank zur Freigabe eines Überbrückungskredites wurde an die Bedingung geknüpft, dass der Vereinsvorstand dieser so genannten "Neu-Orientierung" zustimmen hätte müssen. Das brachte den Vorstand des Vereins Kulturzentrum Spittelberg in eine äußerst prekäre Lage, da er ja für die laufend höher werdenden ausstehenden Rechnungen haftete und der Verein sozusagen am Rande des Konkurses stand.
Im November 2011 spitzte sich die Lage nochmals zu: Gehälter konnten nicht ausbezahlt werden, in Teilen des Hauses gab es keinen Strom, im Infobüro eine Woche lang weder Internet- noch Telefonverbindung. Diese existenzbedrohende Situation konnte durch die gemeinsame Öffentlichkeits- und Mobilisierungsarbeit von Seiten des Vorstandes, der Hausgruppen und der Mitarbeiterinnen, die eine Welle der Solidarität zur Folge hatte, abgewendet werden. Presse- und Fernsehberichte, eine wahre Flut von Protestmails an die zuständigen StadtpolitikerInnen sowie eine Demonstration am 29.11.2011 bewegten die roten und grünen StadtpolitikerInnen zum Einlenken. Wir danken all jenen noch einmal besonders herzlich, die sich auf irgendeine Weise an der Kampagne zum Erhalt des Kulturzentrums Spittelberg im Amerlinghaus beteiligt haben: Ihr wart großartig … Solidarität ist mehr als nur ein Wort!

In der Gemeinderatssitzung vom 16.12.2011 wurde mit den Stimmen der SPÖ und der Grünen eine außerordentliche Subvention in der Höhe von € 260.000,- für das Jahr 2012 für den Verein Kulturzentrum Spittelberg beschlossen. Das bedeutet zunächst einmal, dass die ausstehenden Gehälter der MitarbeiterInnen über den Umweg eines erhöhten Überziehungsrahmens bezahlt wurden sowie die offenen Rechnungen des Jahres 2011 schrittweise beglichen werden. Die Subvention selbst wird voraussichtlich noch im Jänner 2012 ausbezahlt werden. D.h. dass der Fortbestand des Kultur- und Kommunikationszentrums für das erste Halbjahr 2012 gesichert ist.
Weiters wurde uns eine Entschuldung sowie die Sicherung des Betriebes über Juni 2012 hinaus in Aussicht gestellt. Über die Bedingungen dafür steht unser Verhandlungsteam, das aus VertreterInnen des Vorstandes, der Hausgruppen und der Mitarbeiterinnen besteht, mit der Magistratsabteilung 13 in laufenden Verhandlungen, über deren Fortgang wir Euch/Sie im nächsten Jahr informieren werden. Momentan ist jedenfalls keine Rede mehr von Personalkürzungen bzw. davon, dass wir weitere Teile des Hauses für eine kommerzielle Nutzung freimachen sollen. Die Frage der Sanierung sowie einer Mietreduktion durch die Gesiba, die unseren Informationen zufolge bereits beträchtliche Rücklagen aus den Mieten für das Amerlinghaus gebildet hat, ist noch offen und wird nächstes Jahr in Angriff genommen werden. Die Frage der Valorisierung der Jahressubvention ist ebenfalls noch nicht wirklich ausreichend geklärt. Wir sind jedoch der Ansicht, dass sich die Situation des Kulturzentrums Spittelberg im Amerlinghaus im Vergleich zu den angekündigten drastischen Einschnitten vor etwa zwei Monaten wesentlich verbessert hat und wir (gemeinsam mit Euch/Ihnen allen) einen kleinen Erfolg errungen haben.
Wir wissen, dass wir in der Frage der Art und Weise unseres Weiterbestandes weiterhin widerständig, kreativ und auch solidarisch mit vielen anderen kulturellen und sozialen Projekte und Initiativen, die vom Aus bedroht sind, sein werden müssen und wollen.

Für das Recht auf Stadt!
Gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes!

2.
Es scheint, als wäre der jahrelange Kampf um den Weiterbestand des Kulturzentrums im Amerlinghaus als kritisches & widerständiges, nicht kommerzielles, niederschwelliges Basiskulturzentrum zumindest für das Jahr 2012 erfolgreich gewesen. Es gibt uns noch immer, und damit sozialen und solidarischen Raum für eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen, Initiativen und Projekten.
Aber: die Verhandlungen waren äußerst langwierig, zäh und anstrengend. Monatelang wurde gefordert, über jede Kaffeerechnung Rechenschaft abzulegen, wobei sozusagen über die Hintertüre versucht wurde, unser Budget runterzukürzen. Ohne dass dabei von der Gemeinde Druck auf die GESIBA bezüglich einer Mietreduktion ausgeübt worden wäre. Zum anderen wuchsen die Befürchtungen unsererseits, dass über unsere Arbeit auch inhaltlich eine verstärkte Kontrolle ausgeübt werden sollte.
Diese akribische Durchleuchtung unserer Finanzen und unseres Konzeptes wurde von den StadtpolitikerInnen und StadtbeamtInnen als Voraussetzung für die im Dezember 2011 zugesagt einmalige Entschuldung vorgebracht. Es wurde versucht, uns zu einer Erhöhung unserer Eigenmittelaufbringung zu verpflichten und Ausgaben auf das allernötigste zu reduzieren, wobei wir darum streiten mussten, ob Dinge wie Kopierpapier dazu zählen oder nicht. Die Schulden waren dadurch entstanden, dass die Subvention seit 2004 nicht valorisiert worden und damit im Wert gesunken war.
Wie auch immer, es scheint, als wäre es gemeinsam gelungen, zumindest die Grundfinanzierung als auch die Selbstbestimmtheit des Hauskonzeptes und der Arbeit im Kulturzentrum zu erhalten. Für den Moment jedenfalls, denn die versprochene Entschuldung ist, wie wir im September erfahren haben, noch nicht einmal beschlossen. Abgesehen davon ist eine substantielle Renovierung des Hauses nötig, die ebenfalls in Aussicht gestellt worden war, aber von der im Moment keine Rede mehr ist.
Es wird sich nun im November zeigen, ob und wie viel Subvention für das Kulturzentrum im Gemeinderat beschlossen werden wird - und damit auch, in welcher Form es mit dem Kulturzentrum Spittelberg weitergehen wird.

Klar ist: Amerlinghaus bleibt!
Gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes!
Eure Krise zahlen wir nicht!
Für das Recht auf Stadt und mehr!

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Kulturzentrum Spittelberg | Amerlinghaus in Gefahr
Stand September 2010

Das Kulturzentrum Spittelberg | Amerlinghaus ist in Gefahr. Eigentlich müssten wir mit Ende September zusperren, da Miete, Gehälter, Energie-, Bürokosten usw. nicht mehr bezahlt werden können. Trotz inflationsbedingtem Mehrbedarf und langen Verhandlungen wurde unsere Subvention durch die Gemeinde Wien auch 2010 nicht wertangepasst. Gegenwärtig versuchen wir uns nun, mit einer Solidar-Vorschussaktion (näheres unter ...) in das nächste Jahr hinüberzuretten. Unsere politische Forderung an die Gemeinde, den (bereits auf ein Minimum reduzierten) Grundstock an Mitarbeiterinnen sicherzustellen sowie das Kulturzentrum im Amerlinghaus als Kommunikationsraum und Ressource für eine Vielzahl von Gruppen und Einzelpersonen zu erhalten, bleibt bestehen.
Das Kulturzentrum Spittelberg | Amerlinghaus
Seit 32 Jahren ist das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus eine offene, niederschwellige Einrichtung, in der mit möglichst wenigen Vorschriften und Einengungen kritische, nicht kommerzielle Kulturarbeit stattfindet, in der soziale und politische Initiativen, oft auch gemeinsam, arbeiten. An die fünfzig parteiunabhängige Gruppen benutzen, gegen ganz geringe Beiträge oft auch unentgeltlich, die Räume des Amerlinghauses. Dazu kommen noch die fixen Bestandteile des Hauses - verein exil, Vereinigung für Frauenintegration, Kindergruppe Amerlinghaus sowie eine Reihe von Initiativen, die das Kulturzentrum für Einzelveranstaltungen nutzen. Für viele dieser Initiativen wäre der Wegfall des Kulturzentrums im Amerlinghaus als nicht-kommerzieller Raum für zahlreiche emanzipatorische, selbstorganisierte Projekte, kritische Basiskulturarbeit, antirassistische und kulturpolitische Arbeit, existenzgefährdend.
Das Amerlinghaus selbst gehört der Gemeinde Wien und wird durch die GESIBA verwaltet. Das Kulturzentrum Spittelberg wird vollständig durch die MA 13 subventioniert, wobei ein Teil der Subvention (mittlerweile ca. 1/5) als Miete an die Gesiba geht. Bis 2004 wurden die Subventionen in unregelmäßigen Abständen wertangepasst. Seitdem nicht mehr. Bereits 2004 waren wir außerdem genötigt, Personalkürzungen und Einsparungen vorzunehmen.

Krise
Im September 2009 wurden sich bereits seit geraumer Zeit ankündigende finanzielle Probleme virulent. Trotz des rigiden Sparkurses der vergangenen Jahre waren wir an einem Punkt angelangt, wo die Situation des Kulturzentrums prekär wurde. Der Subventionswert wird immer weniger, Fixkosten werden immer höher. Diese allein - Miete, Gehälter für 3 Teilzeit-Arbeitnehmerinnen und eine Vollzeit-Putzarbeiterin, Betriebskosten (Strom, Wasser, Heizung) sowie der Beitrag zur ständigen Zusammenarbeit mit dem verein exil im Amerlinghaus - verbrauchen die gesamte Subvention. Kostensteigerungen werden aber nicht mehr ausgeglichen, zusätzliche Projektfinanzierungen sind schwierig bis unmöglich zu lukrieren; Banken und Krankenkassen sind immer weniger kulant, Reparaturen und Materialien werden immer teurer, was alles zusammen unseren Weiterbestand in der jetzigen Form massiv gefährdet.
Gleichzeitig wird im Hinblick auf unsere Arbeit an Anzahl und Zusammensetzung der Personengruppen, die das Amerlinghaus nutzen, deutlich, wie wichtig und unverzichtbar Häuser wie unseres gesamtgesellschaftlich sind. Daher beschlossen wir Ende letzten Jahres, diesbezüglich mit der Gemeinde in Verhandlung zu treten.

Gescheiterte Verhandlungen
Ende Juni sind nun unsere Verhandlungen mit der MA13 gescheitert. Nachdem wir bis dahin immer noch Erwartungen in Richtung eines Entgegenkommens von Seiten der Gemeinde in Bezug auf unsere Forderung nach Wertanpassung der Subvention und Mietreduzierung, Entschuldung und Sanierungszuschuss hatten, steht jetzt fest, dass von Seiten der politisch Verantwortlichen taktiert, abgeschasselt und gemauert wird. Die zur Weiterführung des gleichen Betriebs nötigen zur seit 2004 gleich gebliebenen Subvention von € 250.000,- geforderten zusätzlichen € 40.000,- gibt es genauso wenig, wie die für eine minimale erstmalige Renovierung seit 30 Jahren benötigten € 20.000,-. Darüber hinaus bekommen wir im Gegensatz zu den vergangenen Jahren auch keinen Vorschuss auf die Subvention, der wegen der angehäuften Schulden nötig ist, UND die Banken geben nicht nur uns, sondern allen subventionierten Vereinen keinen Überziehungsrahmen mehr. Das bedeutet, dass mit Ende September kein Geld mehr da ist, Miete, Gehälter und sonstiges zu zahlen. Eine politische Diskussion fand nicht statt. Die Botschaft, die wir von Seiten der offiziellen Politik erhalten haben, ist: helft euch selbst, die Gemeinde hat nicht mehr Geld.
An Geldmangel leidet die gemeindenahe Gesiba, die das Amerlinghaus als Eigentum der Stadt Wien verwaltet, jedenfalls nicht. Das Viertel um den Spittelberg ist ein Musterbeispiel für Gentrifizierung. "Schon bald erkannte die GESIBA den Wert von Altbestand und engagierte sich in Stadterhaltungs- und Sanierungsprojekten, wie der Revitalisierung des "Spittelbergs" im 7. Bezirk. Modern wohnen in alten Häusern - ein Erfolgsgeheimnis, welches international Furore machte." (www.gesiba.at) Das ist eine Entwicklung, die die AktivistInnen, die das symbolkräftige Amerlinghaus im Zentrum des Spittelbergs instandbesetzten, sicher nicht beabsichtigten, die aber unter den gegenwärtigen Machtverhältnissen nur schwer zu verhindern scheint.
Das Kulturzentrum zahlt direkt von der Gemeindesubvention über € 50.000,- im Jahr Miete an die Gesiba (für ein Objekt, das der Gemeinde selbst gehört!) - das entspricht in etwa der Summe der nicht erfolgten Anpassung, die wir für die Gewährleistung des Fortbestands des Kulturzentrums benötigen.
Es ist kein Geld da, wird uns gesagt. Geht es nicht vielmehr darum, dass Geld nur mehr für "wachstumsrelevante" Projekte da ist, während an anderer Stelle durch "Einsparungen" an den Lohnabhängigen gespart wird und an nach neoliberaler Logik nicht wachstumsrelevanten Sektoren wie Sozialversorgung, Basiskultur, politischer Bildung, Trans- und Interkulturellem? Ist es das, was die politisch Verantwortlichen wollen?

Und nun?
Soll uns etwa das AMS (Ja, ja, das Arbeitsmarktservice) über die Krise "helfen"? Wie ist das vorzustellen? Einzelne Mitarbeiter_innen gehen ein paar Monate in die Arbeitslose, kassieren Arbeitslosengeld (auch Steuergelder, diesmal halt auch vom Bund) und sollen weiter arbeiten wie gehabt? Wir hören, das ist nicht unüblich und hätte schon einige Einrichtungen vor dem Aus gerettet - das soll ein Lösungsansatz sein?
Führende sozialdemokratische Politiker_innen Wiens der Siebzigerjahre (Fröhlich-Sandner, Gratz, Zilk) verstanden und schätzten den Wert des Amerlinghaus für das politische Klima in der Stadt. Sie erkannten auch die Umwegrentabilität solcher Einrichtungen. Die damalige Vizebürgermeisterin sagte noch wenige Monate vor ihrem Tod 2008, bei einer Podiumsdiskussion im WUK, dass Arena, Amerlinghaus, WUK und ähnliche alternative Einrichtungen der öffentlichen Hand viele Kosten im Gesundheits-, Polizei- und Justizwesen ersparen. Auch dieser Gedanke ist den heutigen Politikern nicht mehr so einsichtig.
Aha, also ist das Amerlinghaus kein Tourismusträger, nicht Mainstream genug, nicht gut für das Image der Stadt Wien? Bringt auch keine Wähler_innenstimmen? Ob die derzeitige Stadtpolitik, Bierzelte und Jahrmarkt genug Motivation sind, die Stimme NICHT dem Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zu geben, ist fraglich.
Bedeutet die Absage der Stadt Wien, dass zukünftig keine kritischen Ränder und Räume mehr gefördert werden sollen? Dass es den Entscheidungsträger_innen vollkommen egal ist? Oder sogar noch schlimmer, dass beabsichtigt ist, Kriminalisierung und Repression als hegemoniale Strategien noch weiter voranzutreiben?
Die Frage ist nicht, ob uns die Gemeinde Wien finanzieren kann, sondern ob sie es will. Will die Stadtregierung neben Weihnachtsbeleuchtung, Hoch(glanz)kultur, Events und Inseratenkampagnen auch die Demokratie und die Aktivitäten der Zivilgesellschaft fördern?
Was tun?
In mühsamer Kleinarbeit Spenden sammeln, also Geld von denjenigen nehmen, die selber auch nicht viel haben - wir rechnen kaum damit, dass uns finanzkräftige Menschen unter die Arme greifen. Uns selber verkaufen, dass heißt, das Produkt Amerlinghaus an den/die Meistbietende_n versteigern und unsere Arbeitszeit damit verbringen, Gelder zu lukrieren anstelle qualitativer, inhaltlicher Arbeit?
Wir sollen mehr Eigenmittel erwirtschaften. Der Trend: eine Einrichtung kann nicht immer der/dem Steuerzahler_in auf der Tasche liegen. Die Zeiten sind vorbei, in denen Kultur- und Sozialträger unwirtschaftlich denken konnten, jetzt muss sich die Einrichtung eben selber was einfallen lassen, um sich zu finanzieren. Also wie haben wir uns das vorzustellen - dass es nur mehr soziale und kulturelle Einrichtungen gibt, die a.) wirtschaftlich cleverer und geschickter sind als die anderen und/oder b.) von einem Unternehmen abhängig sind?
Fällt uns jetzt unsere Abhängigkeit von staatlichen bzw. Gemeindeinstitutionen auf den Kopf?
Es kann nicht sein, dass das Amerlinghaus als offenes, generationen-, subkulturen- und politics-übergreifendes Haus tot gespart wird. Wenn es zu keiner Entschuldung und keiner Evaluierung der Subvention durch die Stadt kommt, dann muss das Amerlinghaus im Herbst 2010 seinen Betrieb einstellen. Zumindest das, was das Haus bisher ausmachte, ist dann nicht mehr möglich. Irgendwas kann die Gemeinde schon mit dem Haus machen, aber dann hat sie einen der letzten Orte selbstbestimmten und geförderten Handelns in dieser Stadt preisgegeben.
Das wollen wir aber nicht!

KRISE BRAUCHT KULTUR!
Es kann nicht sein, dass für Einrichtungen, die nicht der neoliberalen Verwertungslogik entsprechen, immer weniger Mittel zur Verfügung gestellt werden. Wir sind kein Einzelfall, und wir meinen, dass es im öffentlichen Interesse liegt, vielfältige kritische Denk-, Handlungs-, Lebens- und soziale Räume zu erhalten.
Wir möchten - rechtzeitig zum Wiener Wahlkampf und darüber hinaus - daran arbeiten, eine politische Diskussion um Kultur- und Sozialpolitik, Perspektiven für nicht-mainstreamige und kritische, gesellschaftsemanzipatorische Initiativen und Gruppen voranzutreiben und darüber hinaus Interventionen und vielfältige Aktionen im Haus und im öffentlichen Raum setzen. Das können und wollen wir nicht allein tun. Vernetzung, Solidarität und Koordination sind Voraussetzungen für politische Bewegung.
Tun wir uns zusammen, handeln wir solidarisch, lasst uns unbequem sein!
Für mehr und nicht weniger politische, soziale, kommunikative Zentren! Für mehr emanzipatorische politische Kultur!
KULTURZENTRUM IM AMERLINGHAUS BLEIBT!

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Robert Sommer:
Was im Amerlinghaus abläuft: Was in 2 Sätzen nicht zu erklären ist
Wir betreuen nicht. Wir stärken

Eine der lebendigsten Wiener Ecken des subkulturellen Lebens ist in einem inzwischen alles andere als subkulturellem Grätzl zu entdecken. Umgeben von "teurem Pflaster", hippen Lokalen, unschmuddeligen Galerien und für Wohlhabende sanierten Wohnungen hinter musealen Fassaden pulsiert eine "Brutstätte" sozialer und politischer Projekte. Ohne das Amerlinghaus hätte die Laientheatergruppe des Augustin ungünstigere Wachstumsbedingungen vorgefunden; ohne das Amerlinghaus wäre die Chronik der Augustin-Feste um einige rauschende Kapitel ärmer.
Lisa Grösel und Walter Ratley, zwei vom Amerlinghaus-Team, berichteten über ihre Arbeit. Das Spittelbergviertel in den 70er Jahren: Leerstehende Häuser, Bretter vor Fenster genagelt, Ratten, Ruinen. Vor gut drei Jahrzehnten ist das Amerlinghaus, ein Biedermeierobjekt im Zentrum des Spittelbergs, zum ersten Mal besetzt worden. Mit dem Erfolg, dass die Gemeinde das verfallene Objekt mit seinem wunderschönen weinberankten Innenhof renovierte und dem damals entstandenen Verein "Kulturzentrum Spittelberg" zur Verfügung stellte. Eine zweite Besetzung durch die Leute der so genannten Burggartenbewegung, die der ersten Generation der Amerlinghaus-BetreiberInnen Bürokratismus, Hierarchiedenken und Abhängigkeit von der Stadtverwaltung vorwarfen, zählt zu den skurrilen Episoden der aufregenden Frühgeschichte des Kommunikationszentrums. Symbolhafte Namen der Gründer-, Früh- und Sturm-und-Drangzeit des Hauses: Herbert Sburny, Urgestein des Vereins, und Christa Stippinger, die heute die im Haus entstandene Edition Exil und den gleichnamigen Verein leitet und vielen als Veranstalterin des jährlichen Roma-Festes bekannt ist. In manchem war das Amerlinghaus seiner Zeit voraus. So wurde hier die erste Wiener Alternativschule von der Idee in die Praxis umgesetzt.
Walter Ratley ist seit fünf Jahren im Amerlinghaus beschäftigt. Er kommt aus Salzburg. "Die Stadt wurde mir zu bieder. Deshalb bin ich nach Wien ausgewandert. Ich hatte das Glück, einen Praktikumsplatz im Amerlinghaus zu erhalten und anschließend in ein Angestelltenverhältnis übernommen zu werden", sagt er und versucht eine mit möglichst wenigen Sätzen auskommende Definition der Einrichtung: "Das Amerlinghaus ist ein Ort, an dem soziale und politische Arbeit stattfindet, an dem politische Initiativen genauso Platz haben wie Selbsthilfegruppen, wo Veranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen stattfinden. Zur Zeit beherbergt das Haus z.B. eine gut besuchte Arbeitsloseninitiative. Hier gibt es Beratung für Erwerbslose, denen das AMS Bezüge gesperrt hat. Es wird genutzt von antifaschistischen Gruppen genauso wie von Theatergruppen, die hier Proberäume vorfinden, wie das 11% K-Theater vom Augustin. Wir haben natürlich unsere Kriterien für die Auswahl der Gruppen, die das Amerlinghaus nutzen können. Rassistische Gruppen sind ausgeschlossen, kommerzielle NutzerInnen können durch Raummieten ein Einnahmenfaktor sein, aber wir lassen das nur in reduziertem Ausmaß zu. Wichtig für uns ist das Prinzip der Niederschwelligkeit. Das bedeutet zum Beispiel, dass für Veranstaltungen im Amerlinghaus kein Eintritt verlangt wird. Von Beginn an war es als generationenübergreifendes Projekt geplant.
Die Senioreninitiative ‚Aktives Zentrums', geleitet von Christa Witz, bietet derzeit z.B. Computerkurse für die Generation 55 plus an." Walters Versuch, den Sinn des Amerlinghauses knappest zu definieren, musste scheitern, denn dieses Scheitern ist in dem Amalgam von Bedeutungen, in der Vielfalt von Nutzungsmöglichkeiten, in der Breite des Kulturbegriffs logischerweise angelegt.

"Es ist nie fad im Haus"
Lisa Grösel unterstreicht die produktive Unübersichtlichkeit: "Wenn wir gegenüber Menschen, die unser Haus nicht kennen, diese Liste von Aktivitäten und Nutzergruppen aufzählen, staunen sie beim ersten Besuch: So ein kleines Biedermeierhaus, so prall gefüllt mit soziokulturellem Leben. Ich könnte die Liste minutenlang fortführen: eine Hip-Hop Gruppe, eine griechische Tanzgruppe, Deutschkurse, dutzende weitere NutzerInnen, die zwei große und fünf kleinere Räume abwechselnd belegen. Es sind NutzerInnen, die wegen ihres Geldmangels anderswo kaum Räumlichkeiten für ihre Projekte fänden." Und mitten in diesem Pulsierenden ein paar Quadratmeter, in dem die Pulsfrequenz zum Quadrat schlägt.
Um das Herz des Hauses, das Büro, zu beschreiben, malt Lisa Grösel das Bild einer Standardsituation: "Mein Kollege Walter und ich sitzen in diesem Büroraum. In einer Ecke sitzen drei Afrikaner und unterhalten sich in einer Sprache, von der ich nicht weiß, aus welcher Ecke des Kontinents sie stammt. Sie sprechen über die neue Hip-Hop Produktion, die sie im Amerlinghaus gerade probieren. An einem Computer sitzen drei Menschen von der Erwerbsloseninitiative und arbeiten an ihrer neuen Rechtshilfebroschüre. Ich bin mit zwei Leuten beschäftigt, die in zwei Monaten eine Ausstellung eröffnen wollen: Wie gestalten wir die Flyers, wann hängen wir die Bilder...
Walter bereitet mit zwei anderen Menschen die nächste Diskussionsveranstaltung vor. Und immer läutet das Telefon. Am Eingang warten drei Leute mit verschiedensten Anliegen: einer will wissen, wo das Klo ist, der andere will ein Seminar anmelden, die dritte will einen Rucksack deponieren." Es sei nie fad im Amerlinghaus, schwärmt Lisa, seit 1999 im Team. "Ich liebe diese Vielfalt. Wir machen soziale Arbeit im weitesten Sinn dieses Wortes: Wir kommunizieren mit unglaublich vielen Leuten. Aber wir betreuen nicht. Wir motivieren, wie stärken, wir diskutieren - aber wir haben es grundsätzlich mit Leuten zu tun, die ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen. Die sich selber organisieren und autonom sind. Wir machen unsere Kriterien transparent, die für die Nutzung des Hauses gelten. Gut ausfinanzierten Gruppen raten wir, woanders Räumlichkeiten zu suchen, damit wir unsere Räume den ‚armen' Projekten freihalten können. Wenn eine Meditationsgruppe nach Räumen fragt, wird sie von uns erfahren, dass das Amerlinghaus eigentlich für andere Zwecke besetzt wurde."
Lisa arbeitete Ende der 90er Jahre an einem Projekt Christa Stippingers mit - eine Gesprächsrunde, in der debattiert wurde, was Begriffe wie "Arbeit" oder "Liebe" in unterschiedlichen Kulturen bedeuten. Das war ihr Einstieg in ein Beschäftigungsverhältnis. In einem Jugendzentrum hatte sie zuvor mit türkischen Mädchen gearbeitet, die Sprachkenntnisse stammen vor allem von einem zweijährigen Türkei-Aufenthalt. Die Beschäftigung im Amerlinghaus ermöglichte ihr, am antirassistischen Engagement anzuknüpfen, vor allem durch ihre Mitarbeit an der Initiative GEMMI. Diese NGO wurde unentbehrlich für jene afrikanischen AsylwerberInnen, die Opfer der "Operation Spring" des Innenministeriums wurden, in deren Folge es zu Fehlurteilen und pauschalen Stigmatisierungen einer ganzen migrantischen Community kam.

Oase der Subkultur im Boomquartier
Die BesetzerInnen des Amerlinghauses haben vor 30 Jahren - ohne es zu wollen - zu einer Gentryfication des Spittelbergviertels beigetragen, zu einer Eroberung des Viertels durch Wohlhabende, zu einer Boboisierung des Stadtteils, zu Miethöhen, die für MigrantInnen, Prekarisierte und ArbeiterInnen nicht leistbar sind. Das Dilemma der kulturellen Pioniere in abgestorbenen Vierteln ist auch hier evident: Ihre Pioniertätigkeit kommt einer Bevölkerungsschicht zugute, für deren Interessen zu kämpfen sie nicht angetreten sind. Wir sprechen Lisa Grösel darauf an. "Ich bin froh", sagt sie, "dass wir als das, was wir sind, überlebt haben, dass wir in einer zunehmend kommerzialisierten Umgebung überlebensfähig sind. Wir versuchen, uns hier als Alternative zum Kommerz zu positionieren, konkret als Alternative zum überranntesten Weihnachtsmarkt der Bundeshauptstadt, zur Konsumwelt der Spittelbergwirten. Mit Straßenfesten versuchen wir, unsere Präsenz in diesem Boomviertel zu unterstreichen." Das Publikum in den Schanigärten der Szenewirten wird sich wohl an die "exotischen" PassantInnen gewöhnen müssen, die an ihm vorbei das Amerlinghaus ansteuern: Frauen in Kopftüchern, Junge mit bunten Haaren, Obdachlose, seltsam erscheinende Menschen mit psychiatrischen Diagnosen.
"Der Weihnachtsmarkt tobt sechs Wochen lang um das Amerlinghaus, in Form des Punschstands des Amerlingbeisls - das in der Anfangszeit Teil der Selbstverwaltung des soziokulturellen Zentrums war, dann aber bald ausgegliedert und privat geführt wurde und heute organisatorisch nichts mit dem Amerlinghaus-Verein zu tun hat - schwappt das Festival des Konsums sogar in den Innenhof herein. Der Lärm und die massive Ansammlung von Betrunkenen rund ums Haus ergeben nicht die beste Atmosphäre für Veranstaltungen der sensibleren Art", verdeutlicht Walter Ratley die in der Nachbarschaftsbeziehung angelegten Konfliktpotenziale. Und kommt dann auf Konflikte anderer Art zu sprechen: "Immer, wenn im Rathaus über die Subventionen abgestimmt wird, gibt es von den rechten Parteien Vorbehalte gegen Gruppen, die sich bei uns im Haus treffen. Naturgemäß ist die FPÖ dagegen, dass wir antifaschistischen Gruppen ein Dach überm Kopf bieten." Eine Feststellung, die nicht als Applaus für die Rathausmehrheit misszuverstehen ist, die von der Politik der Förderung auch unbequemer "Brutstätten" bisher nicht abzubringen war.
Walter Ratley: "Seit 25 Jahren ist die Subvention der MA 13 für unser Haus nominal gleich geblieben." Auch auf diese Weise kann man ein Experiment langfristig aushungern, fällt mir dazu ein. Die selbe Summe ist von Jahr zu Jahr weniger wert. "Repressive Toleranz", assoziiere ich. Man sollte den Amerlinghaus-Veteranen Herbert Sburny befragen, ob dieser legendäre Begriff, den Herbert Marcuse vor aufständischen StudentInnen in den 60er Jahren erfand, hier nicht fehl am Platze ist. Den Herbert aus Wien würde auch die Zusatzfrage reizen. Nämlich ob Marcuse die Arbeit im Amerlinghaus als Teil der "großen Verweigerung", die er als Grundhaltung der Unzufriedenen propagierte, durchgehen ließe...

Augustin 02/2007 http://www.augustin.or.at

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Zum Amerlinghaus 1997:
„Ein Haus ist keine unveränderliche Tatsache, sondern ein lebendiges System.“ (Isabella Reichert)
Herbert Sburny

Recht hat sie! Das ist auch am Beispiel Amerlinghaus zu zeigen. Seit mehr als 250 Jahren steht es nun schon am Spittelberg. Einkehrgasthof vor den Toren Wiens, Fuhrwerkhaus mit Roß im Stall, Handels- und Wohnhaus, in dem 1803 der Biedermeierporträtist Amerling geboren wurde und zuletzt, bis 1974/75 beherbergte es eine Klavierfabrik und eine Putzerei. Im Sommer 1975 wurde das in Gemeindebesitz befindliche, leerstehende und ziemlich desolate Haus besetzt. Leute aus der Nachbarschaft, StudentInnen, KünstlerInnen, SozialarbeiterInnen und Alternativgruppen forderten ein selbstverwaltetes, gefördertes Kultur- und Kommunikationszentrum von der Gemeinde Wien. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hatten sie den Gegenstand ihrer Begierde gleich in Beschlag genommen. Einen Sommer lang lebten Haus und Hof auf. Fast täglich Kulturprogramm, Kinderbetreuung, Kommunikation zwischen den Generationen, zwischen Bevölkerung und AktivistInnen und PolitikerInnen sowie ein hervorragendes Medienecho waren die Folge. Im Herbst war eine grundsätzliche Einigung mit der damaligen Stadträtin Gertrude Sandner erzielt. Es vergingen noch dreieinhalb Jahre mit Hausrenovierung und Detailverhandlungen. Seit April 1979 gibt es uns in der jetzigen Form. Augenblick! Die Form verändert sich doch laufend! Wo ist die Trennung in Kinder-, Jugend- und Seniorenbereich geblieben? Wo die alternative Selbstverwaltung mit ihren monatlichen chaotischen Plena? Wo die erste Wiener Alternativschule? Wo dutzende Gruppen, wie z.B. der Republikanische Club, wo die AktivistInnen und Angestellten der ersten Stunde? Wo die Auftritte der Pioniere der Wiener Kabarettszene oder des Vienna Art Orchestra? Wo...? Die Liste könnte nahezu endlos fortgesetzt werden.
Und heute? Die Veränderungen im Amerlinghaus haben nicht isoliert oder mutwillig stattgefunden. Sie sind Ausdruck der Veränderung der Gesamtgesellschaft in unserem Land und die halten wir teilweise für gar nicht erfreulich. Auch 1979 stand nicht alles zum Besten in dieser Stadt, doch immerhin – dumpfe Ausländerfeindlichkeit und aggressiver Rassismus versteckten sich damals noch in Hinterzimmern und waren zumindest unter jungen Menschen absolut out. Die FPÖ war eine überalterte 5% Partei und „Überfremdung“ als Grund für massenhafte Abschiebung unbekannt. Wenn unsere Grenzen dicht waren, dann lag das an den Diktaturen im Osten und nicht an Schengen. Mit Liberalisierung war gemeint, daß Fünfzehnjährige nicht um 20 Uhr daheim sein müssen und sich öffentlich küssen dürfen, unter Privatisierung verstand man das Genießen von Urlaubstagen. Bekannt waren Geschenkpakete und Sparbücher, aber keine Sparpakete.
Was sich allerdings nicht geändert hat, ist die Notwendigkeit, gegen Unrecht, Dummheit, Vorurteile, Neid und rassistische Hetze aufzutreten, und unser Wille, dazu einen Beitrag zu leisten. Darum Haus der Kulturen. Weil es nicht nur eine Kultur gibt, sondern viele. Und weil sie gleich wertvoll und gleichberechtigt sind; wer das leugnet, der hat keine. Weil wir die vielfältigen Wurzeln zeigen wollen, die das Kulturleben in Österreich hat. Weil wir Platz für alle bieten wollen, zumindest ansatzweise, beispielhaft. Und weil wir sichtbar machen wollen, wie arm wir würden, wenn wir der rassistischen Propaganda auf den Leim gehen und eine „bodenständige“ Kultur anstreben würden.

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Christof Reinprecht:
Das Amerlinghaus: Vom Scheitern und Überleben eines Experiments

In: Hubert Ch. Ehalt/Ursula Knittler-Lux/Helmut Konrad (Hg.)
Geschichtswerkstatt, Stadtteilarbeit, Aktionsforschung. Perspektiven emanzipatorischer Bildungs- und Kulturarbeit, 1984. Verlag für Gesellschaftskritik Wien, S. 183 - 194


Das „Amerlinghaus” ist ein selbstverwaltetes, von der Gemeinde Wien mit öffentlichen Geldern subventioniertes Kultur- und Kommunikationszentrum. Das alte Biedermeierhaus, das inmitten des Vorzeige-Altstadtsanierungsgebietes „Spittelberg” liegt, wurde 1975 besetzt, anschließend von der Stadt Wien renoviert und am 1.April 1978 eröffnet. Ich selbst arbeitete zuerst als freier Mitarbeiter, ab Mitte 1979 bis Ende 1983 als Angestellter im Amerlinghaus und bin heute Vorstandsmitglied des Trägervereins, dem sogenannten „Verein Kulturzentrum Spittelberg”. Der nachfolgende Beitrag behandelt am Beispiel der Amerlinghaus-Geschichte die Frage, inwieweit solch eine von einer relativ breiten Basisbewegung erkämpfte Einrichtung, die sich als Produkt dieser „Bewegung von unten” begreift und der Idee der Selbstverwaltung verbunden fühlt, den Bezug zu ihrer „Basis” aufrecht erhalten kann.
Das Beispiel Amerlinghaus zeigt, stellvertretend für viele andere Einrichtungen dieser Art, wie groß die Gefahr ist, zwischen den Ansprüchen und Erwartungen „der da unten” und „der da oben” zerrieben zu werden. Dieses Zerriebenwerden erfolgt jedoch nicht, wie viele meinen mögen, im Rahmen tagespolitischer Auseinandersetzungen, sondern infolge jenes Wandlungsprozesses, der unwillkürlich jedes Projekt ergreift, das vom Planungsstadium zu konkreter Realisierung gelangt. Wenn ein ökonomisch gesicherter und organisatorisch geregelter Alltag einsetzt, dann vollzieht sich der Prozess einer „Etablierung” der zu einer Entfremdung der Basis von seinem ehemals heftig umkämpften und umworbenen Objekt führt — und umgekehrt —, sowie zu einer gewissen Annäherung an die Erwartungshaltung des Geldgebers, der öffentlichen Hand. Diese Annäherung erfolgt aufgrund der durchaus notwendigen Auseinandersetzung mit den Behörden um die finanzielle Sicherstellung, wobei taktische Schritte und taktisches Agieren unerlässlich ist, das der Basis wiederum unverständlich bleiben muß und daher einer scharfen Kritik unterzogen wird.
Gerade dieser Prozeß, der zudem eine enorme Kommunikations- und Konfliktfähigkeit verlangt, woran es jedoch nicht selten mangelt, soll im Mittelpunkt des folgenden Beitrages stehen, der von der grundsätzlichen Überzeugung getragen ist, daß Projekte im Sinne des Amerlinghauses, als Ergebnis einer „Kultur von unten” verstanden, von großer Wichtigkeit für die gesellschafts- und kulturpolitische Auseinandersetzung sind.

Wie eine Bewegung ein Haus erkämpft

Wien ist eine äußerst konfliktscheue Stadt. Daher sind Hausbesetzungen eine Rarität und entbehren zudem nicht einer gewissen Skurrilität und Komik. Manchmal waren sie mit der Gemeindeverwaltung oder der Exekutive abgesprochen. Handelte es sich um eine radikal-politische Aktion, konnten die Aktivisten meist nur mit skeptischer Solidarisierung breiterer Personenkreise rechnen. Auch im Falle des Amerlinghauses handelte es sich um eine Besetzung a la Viennoise. Die Vorgeschichte: Anfang der 70er Jahre nahmen sich Architekten und Architekturstudenten um die Sanierung des Spittelberges an und präsentierten der Öffentlichkeit Pläne und Ideen einer sozialen und angepaßten Stadtteilerneuerung. Das soziale Sanierungskonzept enthielt einen Ausbau der nur mangelhaft vorhandenen Infrastruktur ebenso wie verschiedene kommunikative Sektoren wie Fußgängerzonen, Grünflächen und Nachbarschaftseinrichtungen. Aus dieser „Interessensgemeinschaft Spittelberg”, so nannte sich die Aktivistengruppe, entschlüpfte ein Kreis von Personen, der sich für die Realisierung eines Stadtteilzentrums einzusetzen begann. Das Geburtshaus des Wiener Biedermeiermalers und -dichters Friedrich Amerling schien mit seinem geräumigen, weitläufigen Innenhof und der Anlage seiner Räumlichkeiten hervorragend geeignet.
Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigten sich einige Kommunalpolitiker für die Ideen der „IG Spittelberg” durchaus aufgeschlossen und begeisterungsfähig und nahmen an relativ unverbindlichen Gesprächen und Diskussionen teil. Obwohl das Haus wegen Baufälligkeit gesperrt war, gab die Gemeinde Wien 1975, während der Festwochen, die Genehmigung zu einem Vier-Tage-Fest.

Rund 3.000 Besucher machten die Veranstaltung zu einem Erfolg und unterzeichneten ein Manifest, das die Forderungen nach dem selbstverwalteten „Kultur- und Kommunikationszentrum Amerlinghaus” enthielt. Das Manifest wurde den anwesenden Gemeindevertretern überreicht — gleichzeitig erfolgt die Ankündigung, daß dieses Haus ab sofort für einen „Modell-Betrieb” auf unbestimmte Zeit besetzt sei. Dieser Aktion lag die Idee zugrunde, der umliegenden Bewohnerschaft ebenso wie den Behörden zu demonstrieren, was in und aus einem als nutzlos erachteten Haus alles gemacht werden könne und für welches Ziel man kämpfe.
Die Gemeindeverwaltung tolerierte diese weiche „Besetzung”, wobei die damalige Stadträtin für Kultur und Jugend, Fröhlich-Sandner, für die unschlüssige Haltung der Gemeinde maßgeblich verantwortlich war. Daß die Stadt durchaus auch ganz anders, nämlich viel härter und entschlossener hätte reagieren können, zeigte sich ein Jahr darauf, als der größten Besetzungsaktion, die Österreich je erlebt hat, der Besetzung der Arena, Bulldozer ein Ende bereiteten.

Die Besetzung des Amerlinghauses ist von einer relativ starken und breiten Bewegung getragen worden, die sich aus politischen Aktivisten ebenso zusammensetzte wie aus Künstlern, Intellektuellen und Jugendlichen aus der unmittelbaren Umgebung. Daß das Haus knappe drei Jahre später seiner Bestimmung als selbstverwaltetes Zentrum übergeben werden konnte, ist ein Erfolg des Drucks von unten — auch wenn sich diejenigen, die den zähen und endlos scheinenden Kampf um die konkreten Nutzungsbestimmungen führten, von der „Basis” in Stich gelassen fühlten und nicht selten nahe am Kapitulieren waren.

Wie ein Haus seine Bewegung verliert

Die Renovierung des Amerlinghauses verschlang 13 Millionen Schilling. Während der Bauarbeiten (man hatte das gesamte Haus abgetragen und danach wieder völlig neu aufgebaut) wurden Konzepte für den Betrieb und die Finanzierung erarbeitet und diesbezügliche Verhandlungen mit den zuständigen Stellen des Wiener Rathauses geführt. Angelpunkte waren die Budgetfrage sowie das Selbstverwaltungsmodell. Nach manchmal zermürbenden, kleinkrämerischen Auseinandersetzungen konnte ein Kompromiß gefunden werden, der zum einen die finanzielle Sicherstellung und zum anderen eine größtmögliche Autonomie gewährleistete.
Träger des Hauses sollte der eigens dafür gegründete „Verein Kulturzentrum Spittelberg” sein, der aus einem zehnköpfigen Vorstand besteht und sich aus fünf Vertrauenspersonen der Gemeinde Wien und fünf Personen, die von der Mitgliederversammlung des „Vereins Zentrum Amerlinghaus”, also der „Basis” gewählt werden und dieser rechenschaftspflichtig sind, zusammensetzt. Angestellte Mitarbeiter sollten nicht im Vorstand vertreten sein, da dieser als Pufferzone zwischen Gemeinde und Zentrum gedacht war, als grüner Tisch, auf dem Konflikte und Verhandlungen abgewickelt werden können, ohne den Betrieb des Hauses direkt zu belasten. Zugleich erhoffte man sich von dieser Konstruktion, daß die Gemeinde, nun einmal eingebunden, ihr Interesse an einem Weiterbestand bewahren werde. Auf Vorstandsebene sollten zusätzlich die jährlichen Budgetverhandlungen stattfinden, nach Abstimmung mit den Mitarbeitern und der Vereins- bzw. Hausbasis. Der Budgetrahmen betrug 1978 1,5 Millionen Schilling, 1984 2,7 Millionen. In den monatlich stattfindenden Hausvollversammlungen sollten Besucher und Benützer, Animatoren und Kursleiter sowie am Hausgeschehen Interessierte Überlegungen zu Programm, Budget und Konzeption des Zentrums anstellen sowie diesbezügliche Beschlüsse fassen, deren Umsetzung wiederum an den Mitarbeitern des Amerlinghauses liegen sollte. Die Hausversammlung sollte das höchste Kontrollorgan sowie ein Ort der Reflexion, der Auseinandersetzung und der Konfliktlösung sein.
Wie bereits angedeutet, kam es bereits vor der Eröffnung des Amerlinghauses zur Isolierung der Aktivisten. Die „Basis” verflüchtigte sich, nicht ohne äußeren Anlaß allerdings. Die im Sommer 1976 stattfindende Arena-Besetzung band viele ehemalige Aktive an sich, aus der Arena heraus wiederum entwickelten sich unzählige Initiativen, die die Kräfte und Energien von engagierten Personen benötigten.

Als die wenigen übriggebliebenen Aktivisten am 1. April 1978 zur Eröffnung des frisch renovierten Amerlinghauses luden, kamen zwar viele ehemals Bewegte und Interessierte und meldeten auch sogleich ihre Erwartungen und Ansprüche an; zu einer lebendigen Aktivierung der Basis, des Unterbaus, kam es jedoch aus vielerlei Gründen, die es im folgenden anzureißen gilt, nicht.
Die Überlegungen zum radikal- und basisdemokratischen Ansatz der Selbstverwaltung gingen von einer Durchschaubarkeit und Veränderbarkeit bestehender Herrschaftsverhältnisse aus. Im Amerlinghaus sollten Entscheidungen transparent und auf breitester Ebene getroffen werden. Unerläßliche Bedingung dafür schien eine Struktur zu sein, die einer ungleichen Machtverteilung und einer Trennung zwischen „Machern” und „Konsumenten” zuwiderläuft. Eine solche schien man in der Einrichtung der „Hausversammlung” gefunden zu haben. Es liegt auf der Hand, daß ein derartiger Ansatz immer Gefahr läuft, Opfer sich rasch ausbreitender Institutionalisierungstendenzen zu werden. Deshalb auch stand von allem Anfang an die sogenannte „Angestelltenfrage” sowie die „Vorstandsfrage” im Mittelpunkt der von der Eröffnung an regelmäßig stattfindenden Hausversammlungen, zu denen, wie gesagt, alle Besucher und Benützer geladen waren.
Die Angestelltenfrage ist für ein selbstverwaltetes Zentrum, das sich als Ausdruck einer Kulturbewegung von unten begreift, von zentraler Bedeutung. Die Installierung fest bezahlter Mitarbeiter gewährleistet ja nicht nur eine gewisse Kontinuität und ein reibungsloses Funktionieren der Organisation des Alltags; sie belastet zugleich über Gebühr den Budgetrahmen (im Amerlinghaus etwa zwei Drittel der Ausgabeposten) und verändert in kürzester Zeit das strukturelle Gefüge. Unweigerlich kommt es bei den Mitarbeitern zu einer Anhäufung informeller Macht. Die Mitarbeiter erlangen damit einen Status, der um wesentliches höher ist als jener der „normalen” Besucher bzw. der unregelmäßigen, nicht-bezahlten Aktivisten. Der Konflikt zwischen Benützern und Angestellten bahnt sich an. Die „Angestelltenfrage” kann stets nur im Zusammenhang mit dem Problemkreis der Vor- und Nachteile öffentlicher Subventionen diskutiert werden. Aus Platzgründen kann hier nicht näher auf diese notwendige, leider jedoch kaum geführte Diskussion eingegangen werden, wobei der Autor eine ausführliche Auseinandersetzung um den Themenkomplex „Subventionen” für wünschenswert und erforderlich hält.

Rückblickend entpuppt sich die durchaus ernst gemeinte und mit viel Engagement erkämpfte Einrichtung der Selbstverwaltung im Amerlinghaus als scheindemokratisches Experiment. Denn das bloße Abwälzen aller Entscheidungen auf die als alleiniger Entscheidungsträger konzipierte Hausvollversammlung erwies sich als zu kurz gegriffen, da ja die Entscheidungskriterien nie grundsätzlich geklärt worden waren. Die Geschichte der Selbstverwaltung im Amerlinghaus, in seinem radikaldemokratischen Ansatz wenigstens, ist somit eine des Scheiterns: Guter Wille allein vermag den Mangel an egalitären Strukturen nicht zu ersetzen.
Es nimmt daher nicht Wunder, daß sich die Idee der „Hausversammlungsselbstverwaltung” in einem relativ kurzen Zeitraum totlief. Dieser Prozeß dauerte rund ein Jahr. Die Zahl der Teilnehmer an den Versammlungen sank von Monat zu Monat, die letzten Plenas wurden, rund ein Jahr nach der Eröffnung des Hauses, nur mehr von kaum einer Handvoll Besucher wahrgenommen.
Ein beispielhafter Konflikt, der mit der Unfähigkeit, ihn zu lösen, gepaart war, da sich die informellen Strukturen bereits allzu sehr festgesetzt hatten, war die intensive und aufreibende Diskussion um die Alternativschule, die von Anbeginn im Amerlinghaus eingerichtet war. Es handelte sich zwar vor-erst nur um einen Disput zwischen den Eltern und Lehrern, in dessen Folge es jedoch zu einer Spaltung der Elterngruppe kam. Die Eltern forderten nun von den Mitarbeitern die Entscheidung, welche der beiden Schulgruppen im Haus bleiben solle. Zum ersten Mal entschied die Mitarbeiterversammlung im Alleingang eine Frage, die im Prinzip im Plenum hätte diskutiert werden müssen. Damit war ersichtlich geworden, daß es zu einer rasanten Verselbständigung der Angestelltengruppe gekommen war. Im Plenum wurde diese Entscheidung zwar angefochten und von den Mitarbeitern auch wieder zurückgenommen — doch auf seiten der Besucher und Benützer war deutlich geworden, daß die Realität das „Modell” längst überholt hatte. Dem Eklat in der Vollversammlung folgte eine Reduktion der aktiven Teilnahme von Benützern und Besuchern am Hausgeschehen und an der Entscheidungsfindung: Das Amerlinghaus war unmerklich in die „Fänge” der angestellten Mitarbeiter geraten.

Die sogenannte „Vorstandsdebatte” wiederum entzündete sich an der Frage, welcher Aktionsradius dem Vorstand zustehe. Selbstverwaltung, so hieß die im Prinzip durchaus richtige Definition, müsse die demokratische Diskussion um Strategien der Verhandlungsführung mit Gemeindevertretern ebenso miteinschließen wie die Ausarbeitung des Budgetvoranschlages. Die Auseinandersetzungen um den Vorstand hatten oft irrationalen Charakter, auch wenn ernstzunehmende Probleme zugrunde lagen. Mißtrauen und Anfeindungen dominierten auf beiden Seiten. Das Mißtrauen auf seiten des Vorstandes wurde durch das von ihm verspürte Chaos im Getriebe der Selbstverwaltung genährt, das der „Basis” durch die oft eigenmächtigen Schritte des Vorstandes, die zwar mit den Mitarbeitern, nicht aber mit der Hausversammlung abgestimmt waren.
Natürlich darf bei dieser Betrachtung nicht übersehen werden, daß für viele ehemalige Aktivisten, die sich in der entscheidenden Phase für das Haus engagiert hatten, das unmittelbare Motiv für eine aktive Teilnahme am Haus-geschehen wegfiel. Die meisten Besucher suchten einen „Raum”, der ihnen die Möglichkeit zur Verwirklichung ihrer Interessen bieten konnte. Das Amerlinghaus war nur mehr Mittel zum Zweck, Ort des Zusammenfindens mit Freunden und Kollegen, mit denen sich gemeinsame Bedürfnisse organisieren und umsetzen lassen. Daher füllte sich das Haus bald mit Gruppen aller Art, die aber nicht die Auseinandersetzung um ein für sie völlig abstraktes Prinzip Selbstverwaltung suchten: Frühere Aktivisten wurden zu biederen Raumbenutzern, die Hausversammlung erschien manchen als zusätzliche Belastung in ihrer ohnehin bereits mit unzähligen Komitees und Initiativgruppen zugepflasterten Freizeit und zudem hatten die meisten Vertrauen in die angestellten Mitarbeiter gefaßt und ihnen die Organisation des Hausalltages überlassen. Selbstverwaltung an sich war nur mehr für wenige ein Thema. Es ist daher durchaus legitim, in diesem Zusammenhang von einer Phase der Entideologisierung zu sprechen.
Die Basis hatte sich abgesetzt, sich anderen Projekten zugewandt oder sich unmerklich ins Haus integriert. Die Mitarbeiter hatten jetzt zwar die Zügel in der Hand, die fehlenden Strukturen aber wirkten sich insgesamt ungünstig aus. Der Vorstand übernahm eine aktive Rolle, die ihm der Konzeption nach gar nicht zugestanden wäre, und griff nicht selten direkt und zum Teil, das darf im Rückblick durchaus gesagt werden, mit erpresserischen Mitteln ein. Sein Versuch, mit Machtworten und Drohgebärden die Unsicherheit der Mitarbeitergruppe zu stabilisieren, hatte langfristig gesehen eher negative Folgewirkungen.

Wie ein Zentrum zwischen die Mühlsteine der Basis und der da oben gerät

Im Frühjahr 1980, es schneite bereits und war unerbittlich kalt, meldeten sich (erneut eine Wiener Form von politischem Aktionismus) einige Jugendliche zu einer Hausbesetzung im Amerlinghaus an. Tatsächlich erschienen schließlich, ein paar Stunden nachdem sie sich telefonisch angekündigt hatten, ein paar Dutzend Jugendliche mit Matratzen und dicken Wolldecken. Sie forderten Einlaß in die Räumlichkeiten, die wir Mitarbeiter ihnen dann auch (schon aus Angst vor einer zu heftigen Konfrontation) gewährten. Unmittelbarer Anlaß dieser Besetzungsaktion war jedoch nicht das Amerlinghaus selbst, sondern das dem Haus angeschlossene, aber unabhängig und kommerziell geführte Beisl. Der neue Beislbesitzer hatte aufgrund persönlicher Antipathien über bestimmte Personen Lokalverbot verhängt und die Preise von einem erträglichen Niveau auf jenes der In-Beisln gehoben und zudem dem Lokal den Charakter einer Schickeria-Stube verpassen wollen. Das hatte zwar alles auch zu hausinternen Konfrontationen geführt, doch kaum jemand erwartete ernsthafte Aktionen von außen, obgleich es zu dieser Zeit an dementsprechenden Drohungen nicht mangelte. Die jugendlichen, die an der Besetzung beteiligt waren, hatten einst im Amerlinghaus eine Zufluchtsstätte gefunden. Sie hatten für das Recht auf freien Rasen im Burggarten gekämpft und um ein autonomes Zentrum, das später in der Gassergasse entstehen sollte. Obwohl sich ihre Aktion vorerst gegen die Preispolitik des Beisls richtete, standen auch wir Mitarbeiter bald vor einem Tribunal. Wir wurden als Verräter beschimpft, als Arschkriecher und Angepaßte. Auch abseits der ermüdenden Beflegelungen (die ja auch in die andere Richtung gingen) berührte die vorgebrachte Kritik viele Punkte einer Entwicklung, die manchen von uns betroffen machte.

Mich selbst konfrontierte diese zweite Besetzung mit jenen Ideen und Vorstellungen über Selbstverwaltung, für die ich doch stets und über lange Jahre hinweg eingetreten war und gekämpft hatte. Ich hatte mich im Amerlinghaus der Realität gebeugt, einen Kompromiß zu finden versucht zwischen der kaum umzusetzenden Radikalität eines gedachten Selbstverwaltungsmodells und einer akzeptablen Form der Koexistenz mit der Gemeinde. Uns erschien diese Besetzung zwar als eigenartiger und sich rasch verflüchtigender Spuk, doch wie nie zuvor wurde uns das Scheitern unseres eigenen Anspruchs vor Augen geführt. Da saßen nun die „Kinder” unseres Amerlinghauses und rebellierten gegen ihre „Eltern”, da riefen wir die Besucher und Benützer des Hauses zu Hilfe, die sich regelmäßig seit Jahren Woche für Woche im Hause trafen, doch sie zeigten sich an unseren Ausführungen desinteressiert, im höchsten Maße jedoch aufnahmefähig für die Kritik der Besetzer. Hier wurde uns mit einem Mal bewußt, daß die Mühle angefangen hatte zu mahlen. Die Mitarbeiter überlegten ebenso ernsthaft den Einsatz von Polizei wie sie ihn wieder verwarfen. Man befürchtete, daß die Gemeinde den Geldhahn zudrehen und damit der Existenz des Zentrums ein Ende bereiten werde. Doch uns wurde bewußt, daß diese unsere Ängstlichkeit gegenüber der Stadtverwaltung viel weniger auf Realitäten gründete als auf eingebildetem und verinnerlichtem Druck in unseren Köpfen. Und wir spürten, daß unsere Angst vor der willkürlichen Gewalt des Rathauses auch aus dem Umstand resultierte, der sich mit der Besetzung bewahrheitet hatte und schon lange wie ein Damoklesschwert über dem Amerlinghaus geschwebt war: Die Basis hatte sich entzogen und das Zentrum war zu einer etablierten Institution geworden, die auf keine Bewegung mehr zurückgreifen konnte. Vielleicht mußte das Amerlinghaus dies schmerzhafter als andere Einrichtungen erfahren, da es in Wien das erste seiner Art war und sowohl „von unten” wie „von oben”, sowohl von der Basis als auch von der Gemeinde, mit besonderen Ansprüchen und Erwartungen konfrontiert worden war.
Diese zweite Amerlinghausbesetzung war aber durchaus ein heilsamer Schock. Nur wenige Tage nach Beendigung der Aktion schrieb ich in einem Diskussionspapier zu einer notwendigen Neudefinition des Begriffs der Selbstverwaltung: „Selbstverwaltung meint, daß zwischen festen Mitarbeitern des Amerlinghauses eine von ihnen festgelegte und nach außen und innen transparente Entscheidungsstruktur besteht, die allen Beteiligten gleichberechtigte Teilnahme und Entscheidungsfindung erlaubt. Somit werden Mitarbeiter Träger von Entscheidungen und voll verantwortlich.” Damit war endlich eine Neudefinition erfolgt, die den Mitarbeitern den Status von Trägern von Entscheidungen und die Verantwortlichkeit für das Hausgeschehen gab. Mit diesem Schritt wurde die Vorstandsdiskussion wesentlich entschärft. Es soll hier nur kurz erwähnt werden, daß seit Ende 1983 der Vorstand nur mehr aus fünf Mitgliedern besteht, die sich ausschließlich aus dem Kreis der Angestellten sowie aus Vertrauenspersonen des Zentrums zusammensetzen. Die Funktion einer Pufferzone wird ein Beirat übernehmen.
Angestellte rosten und Konsum bemächtigt sich des Hauses

Es sollen noch zwei Beispiele genannt werden, die aufzeigen, wie die Realität ehemalige Ansprüche einem Wandel unterwirft, diese in die Knie zwingt und dem Alltagsgeschehen ebenso wie dem Spannungsverhältnis zwischen Basis und Institution ein anderes Gesicht verleiht.
Die Amerlinghausbewegung hatte für ein lebendiges, offenes und buntes Zentrum gekämpft. Dies erforderte von den Aktivisten ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und Engagement, das auch Risiko nicht scheut. Vor allem in der Anfangsphase war die Arbeitssituation der angestellten Mitarbeiter von einem überhöhten Kommunikationsstreß gekennzeichnet — man mußte ja als Mitarbeiter nicht nur über alle erdenklichen Informationen, sondern auch über eine Unmenge von Dienstleistungen verfügen. Anfangs wurde dies zwar als durchaus anregend und herausfordernd empfunden, mit der Zeit jedoch führte dieser Zustand zu einer übergroßen Angespanntheit in der Mitarbeitergruppe und in den einzelnen Mitarbeitern selbst. Mit der bereits beschriebenen Entwicklung der Distanzierung und Entfremdung der Basis vom Haus (und umgekehrt) verstärkte sich diese Dauerbelastung. Ein Nachlassen der Spannkraft und ein Einrasten von stereotypen Verhaltensmustern und Verkehrsformen erleichterte die Bewältigung des Alltags. Doch damit ging mit der Zeit ein Abnehmen der Risiko- und Einsatzbereitschaft einher und die Fähigkeit, Konflikte, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Zentrums zu bewältigen, sank. Das folgende Beispiel, das an sich einen Randkonflikt im Leben des Amerlinghauses darstellt, vermag dies zu verdeutlichen. Im Amerlinghaus befindet sich das Bezirksmuseum Neubau, ein Zugeständnis der roten Gemeinde an die schwarze Bezirksvertretung. Da diese selten genutzte Einrichtung unter anderem im schönsten und größten Raum des Hauses beherbergt ist, war es mehr als verständlich, daß man von Anfang an sich um die Einbeziehung dieser benötigten Räumlichkeiten in das Kulturzentrum bemühte, wobei man einen Konflikt mit der Bezirksvertretung gerne in Kauf nahm. Die Bestrebungen führten jedoch infolge der Hartnäckigkeit der schwarzen Bezirkshäuptlinge und Museumswärter und der Verbindlichkeit der zuständigen Gemeindevertreter zu keinem absehbaren Erfolg. Nun hätte man durchaus auch andere Wege suchen können, auf denen eine akzeptable Lösung hätte erreicht werden können. Statt dessen jedoch erlahmten mit der Zeit die Energien, obwohl es an Radikalität auf verbaler Ebene keineswegs mangelte, und es breitete sich eine gähnende Gleichgültigkeit aus. Innerlich hatte man den Status quo längst akzeptiert.
Die Institutionalisierung der angestellten Mitarbeitergruppe führte über kurz oder lang zu deren Verbeamtung. Jede Bewegung schien lästig und überdies überflüssig, und es galt, sie schnell ruhig zu stellen. Den Mitarbeitern war es nicht gelungen, eine fruchtbare und befruchtende Dynamik aufrechtzuerhalten. Nicht nur aus Gründen der sozialen Sicherheit klebten sie nun an ihren angestammten Schreibtischsesseln; wie in jedem x-beliebigen Betrieb hatten sich Strukturen etabliert, die eine reibungslose Organisation des Alltags garantierten und dabei nicht mehr abverlangten als die Anwesenheit und die Beachtung gewisser allgemeiner Regeln und den Mitarbeitern ein Gefühl der Unersetzbarkeit vermittelten.
Das zweite Beispiel, das hier noch kurz Erwähnung finden soll, ist eine hausinterne Auseinandersetzung, die zum Inhalt hatte, ob Kultur- oder Sozialarbeit Schwerpunkte der Arbeit sein sollen, wobei das hier verwendete Bindewort „oder” bereits den Charakter dieser Debatte wiedergibt.
Kultur- und Sozialarbeit galten anfänglich den Aktivisten und Angestellten als untrennbare Einheit. Kultur setzt immer Anteilnahme an sozialen Beziehungen voraus und soziale Austauschprozesse berühren stets kulturelle Momente. Kultur war ja als Ausdruck der Summe aller Lebensäußerungen verstanden worden, als Erfassung der Umwelt und der alltäglichen Lebensrealität und einer daraus folgenden Auseinandersetzung mit ihr. Umso erstaunlicher also, daß diese Prämissen, die konzeptionell ja nicht nur fürs Amerlinghaus galten, sondern das Fundament eines neuen Kulturbegriffs bildeten, an Bedeutung verloren. In der Amerlinghaus-Betriebskonzeption wurde der untrennbaren Einheit von Kultur- und Sozialarbeit durch den integrativen Aspekt von Jugend-, Kinder- und Altenarbeit sowie kultureller Animation Ausdruck verliehen. Wenige Jahre später wurde jedoch der im Sinne eines etablierten Kulturbegriffs übliche Trennungsstrich gezogen. Ausschlaggebend waren sicherlich die Erfahrungen in der Jugendarbeit, die gezeigt hatten, daß die Mitarbeiter auf Grundlage der geltenden Konzeption nicht in der Lage waren, einen offenen Jugendbetrieb zu führen, der sich wesentlich vom Dienstleistungsbetrieb Jugendzentrum abheben sollte. Daran waren illusionäre Vorstellungen über die Selbständigkeit von Jugendlichen, denen man nur den Freiraum geben müsse, damit sie sich frei entfalten können, ebenso „Schuld” wie die zeitweise Überlagerung des Amerlinghauses mit sozialen Randgruppen, denen man relativ ohnmächtig und ungewappnet gegenüberstand und derer man sich schließlich relativ „rigoros” entledigte.
Ohne tiefergehende inhaltliche Diskussion wurde einer Entwicklung Tür und Tor geöffnet, die den Konsum von Kulturveranstaltungen — einer durchaus legitimen Form von Kulturarbeit, aber nicht der einzigen — Vorrang gab. Damit war zwar das Zentrum keineswegs aus seinem konzeptionellen Schlamassel — war es doch unrealistisch, mit professionellen und finanziell und räumlich weitaus besser ausgestatteten Einrichtungen zu konkurrieren; aber die Mitarbeiter konnten beruhigt zur Kenntnis nehmen, daß sich mit diesem Schritt die Wellen rund um das Haus zu glätten begannen. Daß sich zugleich der Konsum des Hauses bemächtigte und damit der Erstarrungsprozeß eher forciert als abgewendet wurde, ist die Kehrseite der Medaille.
Eine Hoffnung und eine Überzeugung, daß ein Amerlinghaus dennoch nützlich ist

Die genannten Entwicklungslinien und Wandlungsprozesse haben unter anderem, so paradox es klingen mag, dazu geführt, daß das Amerlinghaus noch immer existiert. Es hat seinen Charakter natürlich geändert, und Stil und Atmosphäre sind mit denen zur Zeit der Eröffnung nicht zu vergleichen. Die Oberlebenskunst des Amerlinghauses, das in seiner Existenz von der Stadtverwaltung ja nie ernsthaft in Frage gestellt worden ist, gründet sicherlich auch auf der Tatsache, daß die Erstarrung von Strukturen und die Verbeamtung von Mitarbeitern eine relativ gesicherte und langfristige Lebensdauer ermöglichen. Dennoch hat die Geschichte des Amerlinghauses noch kein Ende gefunden, und manches weist darauf hin, daß bewegtere Zeiten wieder bevorstehen. Und trotz aller Probleme, die solch eine Einrichtung ja erst zu dem machen, was sie ist, hat das Amerlinghaus eine seiner wichtigsten Funktionen nicht verloren: Ort der Auseinandersetzung und der Diskussion zu sein, Grundstein für Initiativen und Bewegungen, Stätte gesellschafts- und kulturpolitischer Diskussion. Unzählige Gruppen starteten vom Amerlinghaus aus ihre Initiativen, für viele war es Voraussetzung für das Gelingen des zum Ziel gesetzten Projektes. Manches, was uns heute in Wien alltäglich und „normal” erscheint, hatte im Amerlinghaus seinen Ur-sprung: Die Alternativschulbewegung ebenso wie der Kampf um das WUK und die Gassergasse, Teile der sich politisch formierenden Alternativbewegung ebenso wie der Anti-AKW-Bewegung.
Meinen Optimismus und meine Überzeugung, daß kein Minute Amerlinghaus trotz aller Enttäuschungen und trotz allen Scheiterns vergeblich war, vermögen jene zu begreifen, die die Schwelle des Hauses Stiftgasse Nummer Sieben überschreiten und sehr bald spüren, daß in den Segeln noch immer genügend Wind vorhanden ist.

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Ausschnitt aus:
Robert Foltin:
Soziale Bewegungen in Österreich: Differenzierung der Szenen

Amerlinghaus
Eine Bewegung vor der Arena-Besetzung, die nicht mehr nur im politischen Rahmen ablief, sondern verschiedene Ebenen einbezog (Stadtteilarbeit, Arbeit mit Jugendlichen und Kindern), war die Besetzung des Amerlinghauses. Am Beginn stand eine Gruppe von ArchitektInnen und KünstlerInnen, die sich gegen die Kaputtsanierung des Spittelbergviertels mit seinen alten Biedermeierhäusern aussprachen (das folgende nach Springinkal Nr. 1, März 1976, sowie ZB Nr. 15, 16/17, 18, Jänner bis März 1978). Denen schlossen sich einige Leute an, die Interesse an einem selbstverwalteten Kommunikationszentrum für den Bezirk hatten.

Im Sommer 1975 wurde das Haus in der Stiftgasse für ein 4-Tage-Fest freigegeben, wo Unterschriften für ein Kommunikationszentrum gesammelt wurden. Anschließend wurde das Haus besetzt und ein „Demonstrationsbetrieb“ aufgenommen. Benutzt wurde das Haus den Sommer über hauptsächlich von Kindern der näheren Umgebung und Jugendlichen aus anderen Bezirken, viele von ihnen aus migrantischen Familien. Menschen aus der „Szene“ kamen nur zu größeren Veranstaltungen, aber oft auch zu den Plenas, um die PraktikerInnen, die gratis die Betreuungsarbeit mit den Kindern und Jugendlichen machten, zu kritisieren. Die Gemeinde Wien sagte eine Sanierung zu und Anfang Oktober schlossen die BesetzerInnen das Haus mit gemischten Gefühlen, weil sie etwas aufgaben, aber die Arbeit sehr aufreibend war und eine Pause Zeit zur Reflexion bot.
Die Gruppe wurde ohne Haus weitergeführt, es wurden regelmäßige Spielaktionen mit den Kindern aus dem Bezirk gemacht, außerdem einige Straßenfeste, um weiter auf sich aufmerksam zu machen. Zur Eröffnung am 1. April 1978 waren nur wenige AktivistInnen übrig geblieben.
Das Amerlinghaus wird von der Gemeinde Wien finanziert, die Nutzungsbedingungen sind dabei ein kompliziertes Konstrukt, ein Teil der Räume wird außerdem vom Bezirksmuseum belegt. Diese Situation war ein Grund, warum das Haus die Bewegung verloren hatte (Reinprecht 1984, S.85), was später noch zu Konflikten führte. Nach der Arena gab es viele andere Initiativen, für dieses Kommunikationszentrum interessierte sich vorerst kaum jemand. War das Amerlinghaus ursprünglich als Kommunikationszentrum in einem proletarischem und migrantischem Stadtteil gedacht, so hat sich das Projekt ganz anders entwickelt. Es ist noch jetzt ein linkes Zentrum und ein wichtiger Treffpunkt, aber in einer ganz anderen Umgebung. Ein Großteil des Spittelbergs wurde renoviert (nicht abgerissen, wie befürchtet).
Dieses Viertel kann als Beispiel für Gentrifizierung gesehen werden, die dort lebende und arbeitende Bevölkerung ist heute eine andere, nicht mehr migrantische ArbeiterInnen, sondern die teilweise besser gestellte Klientel der Grünen, von links bis liberal.

Gesamter Text: http://www.grundrisse.net/grundrisse08/8bewgungen.htm

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Aus einem Projekt von Gerald Grassl:
Der Spittelberg

Die erste Häuseransammlung in der Nähe des heutigen Spittelberges hieß Zeismannsbrunne. Dieser Ort wurde schon um 1000 urkundlich erwähnt. Zwischen 1302 und 1425 wurde das Dorf in "St. Ulrich" umbe-nannt, nach einer in Verehrung dieses Heiligen 1211 erbauten Kapelle. Zu dieser Zeit umfaßte die Gemeinde etwa 50 Anwesen, vorwiegend von Weinhauern bewirtschaftet. Unweit entfernt, in der Neubaugasse und Kirchengasse, fand man römische Münzen aus dem 4. Jahrhundert. In der Gegend zwischen Burggasse und Lerchenfelderstraße, die ebenfalls zum St. Ulrichsgrund gehörte, soll - so wird angenommen - der Leichnam des im Lager Vindobona im Jahre 180 n. u. Z. verstorbenen Kaisers Marc Aurelius mit großem Pomp verbrannt worden sein.
Das Gebiet des heutigen Spittelberges war Weideland. 1525 erwarb das Bürgerspital diese Gründe. Die älteste bekannte Bebauung am "alten" Spittelberg selbst stammt nach historischen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1568. 1675 kaufte Sigmund Freiherr von Kirchberg die Gründe, parzellierte sie und gab einen Klafter (1,90 x 1,90m) um einen Gulden jährlich an Neuansiedler weiter. Zum Vergleich: Ein Architekt verlangte für seinen Hausbauplan 5 Gulden.1692 kaufte das Bürger-spinal den Erben Kirchbergs die Gründe wieder ab. Innerhalb kurzer Zeit entstanden 120 Häuser. Das kleine Dorf, das sich in diesem Vorland Wiens heranbildete, nannte man auch "Crobotendörfl", da die Bewohner hauptsächlich "Gastarbeiter" aus Kroatien (aber es gab auch Bewohner aus Spanien, Italien oder der Türkei und Ländern der alten Monarchie) waren, die vor allem in den umliegenden, aus steuertechnischen und anderen Gründen vor Wien entstandenen Manufakturen beschäftigt wurden. Man nennt heute den Spittelberg gerne "das Dorf in der Stadt", seine Entwicklungsgeschichte hingegen ist die eines Slums, bewohnt von Außenseitern, eine Gegend voll Not und Elend, die aufgrund der ständigen Armut ihrer Bewohner heute noch über viele alte Häuser verfügt. Die Leute hatten einfach nicht genügend Geld für Um- oder Neubauten.
Der Spittelberg war nie ein Dorf. Da gab es nie einen Dorfplatz, eine Kirche, ein Wirtshaus am Hauptplatz. Der Spittelberg war der Ort der Verelendeten, der Außenseiter, die vor den Stadttoren Wiens darauf warteten, eine Chance zu bekommen, hineinzudürfen, um in der Stadt arbeiten und sozial aufsteigen zu können. Daß der Spittelberg im alten Zustand bis heute (oberflächlich gesehen) im Kern bewahrt werden konnte, ist das Ergebnis von seltsamen Zufällen, denn ab der Jahrhundertwende gab es immer wieder Bemühungen, das Viertel aus Spekulationsgründen abzureißen. Später wurde aus Spekulationsgründen saniert.
Der Spittelberg war also der Ort, an dem sich die Leute sammelten, um auf die Chance zu lauern, in die Stadt aufgenommen zu werden. Mitglied der Gemeinschaft derer, die viel weiter außerhalb der Stadt, in den schönsten Gegenden, Schlösser bauen ließen. Die Stadt und mit ihren Bewohnern schien reich zu sein (Die Armut vieler Städter war nicht so sichtbar wie der Glanz der Adeligen...) Die Stadt brauchte Nahrung, Kleidung und andere Waren. Aber die Stadt produzierte nur wenig davon - und war trotzdem reich. Alles kam von "draußen". Die Fuhrleute, die die Waren heranschafften, mußten an den Stadttoren Zölle bezahlen. Das Essen und Übernachten war außerhalb der Stadtmauern, in den Vororten billiger. An einem Ort wie dem Spittelberg kehrten sie ein, warteten auf den Morgen und kehrten am Abend wieder zurück, bevor sie mit dem Fuhrwerk in Richtung Heimat aufbrachen.
Der Spittelberg ist kein gewachsener Ort, sondern auch ein militärisch-strategisch wichtiger Punkt, ein Berg, von dem aus man Einsicht hatte auf das "Bollwerk Wien". Und so ist die Geschichte dieses Häusergeviertes, das noch an die "gute alte Zeit" erinnert, geprägt von auffälligen Ähnlichkeiten mit Problemen der sogenannten 3. Welt unserer Zeit: Trotz Arbeit und Produktivität außerhalb der Städte geht es den Landarbeitern, den Manufakturarbeitern schlecht. Keine Rechte aber viele Pflichten gegenüber den Grund- und Manufakturherren, die Sitz oder Wohnung in der Stadt hatten. Das Landproletariat hoffte auf eine Verbesserung der Lebenssituation in den Städten. Die Stadt ist scheinbar die Zukunft! Und vom Berg des Bürgerspitals aus konnte man diesen Luxus schon sehen, war ihm schon sehr nahe. Das erkannten aber auch die Feldherren. Und so wurde die Geschichte des Spittelberges eine Historie zwischen Prostitution, Pest und Massenelend. Die Geschichte des Spittelberges ist die vom "Lieben Augustin", Türken- und anderen Kriegen und den Spittelbergliedern. Wieder und wieder bauten die Leute ihre Häuser hier auf und schauten hinunter auf die Stadt der schützenden Mauern, wo sie die Chance auf ein besseres Leben witterten. Als um 1850 die Menschen, die da so dicht aneinander hausten wie kaum anderswo in und um Wien, sich auf eine eigenständige "Spittelberg"-zugehörigkeit einschwörten, waren sie bereits von der Stadt wegen neuer ökonomischer Notwendigkeiten eingemeindet worden. Nach dem Ersten Weltkrieg "öffnet" sich die Stadt. Der Spittelberg als Vorort verliert seine Bedeutung. Die Fuhrleute sattelten rechtzeitig auf andere Tanzsport-Geschäfte um. Die Huren folgten ihnen. Ein Grätzel wie der Spittelberg war zu verlottert, um abgerissen zu werden. Als sich die Stadt zur "City" entwickelte, waren diese Häuser schon so alt, daß sie aus musealen Gründen erhalten werden mußten.
Rettung eines Viertels
Wer nur irgendwie konnte, versuchte - spätestens ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert - so rasch wie möglich, aus den ungesunden, winzigen Substandardwohnungen des Spittelberges auszuziehen. In einem "Kehraus" begann man am 15. Mai 1914 mit "... vereinten Bemühungen der Polizei, der Bezirksvertretung und der Hausbesitzer ... den Spittelberg von seinen gewissen Inwohnerinnen zu säubern..."
Zurück blieben in den mehr und mehr verfallenden Häusern alte Menschen, arme Menschen, Gastarbeiter in Massenquartieren. Die Gegend verwahrloste zunehmend. Aber auch diese Leute wollte man rasch aus den Häusern vertreiben, denn ein ausländisches Konsortium führte schon 1914 Verhandlungen mit der Gemeinde Wien und den Hauseigentümern, die alten Spittelberghäuser niederzureißen, um sie durch profitablere Zinskasernen zu ersetzen. In zwei großen Blocks sollten 50 "moderne" Neubauten entstehen. Doch der Krieg brach aus, und es gab für die Kommune natürlich wesentlich schlimmere Probleme zu bewältigen, als den Profitinteressen der Hausherren entgegenzukommen. Nach dem II. Weltkrieg gab es neue Pläne, das gesamte Viertel zu schleifen. Als dies zunächst von der "roten" Stadtverwaltung nicht gestattet wurde, gingen die Hauseigentümer dazu über, aus ihren Wohnungen, nach in anderen Wiener Bezirken bewährtem Muster, überbelegte Gastarbeiterquartiere zu schaffen und die Wohnhäuser allmählich auf Abbruchreife herunterzuwirtschaften. Den Denkmalschutz-Interessen, eine Vielzahl von architektonisch unbedingt schützenswerten Häusern zu erhalten und zu renovieren, stand die Absicht von Bau- und Immobilienspekulanten entgegen, in dieser hervorragenden Citylage gute Geschäfte durch den Neubau von Büroblöcken auszubauen. Dieser Kampf, Profitinteressen kontra Interessen der Öffentlichkeit, wurde mit allen nur erdenklichen Mitteln ausgefochten. In den 70er-Jahren waren es vor allem wieder einmal Künstler und Jugendgruppen, die gegen solche Machenschaften ankämpften. Die Aktivisten der Aktion "Künstler für den Spittelberg" besetzten und aktivierten leerstehende Geschäftslokale, Ateliers und auch Wohnungen, die dem Verfall preisgegeben waren, renovierten sie notdürftig und richteten Kunsthandwerkstätten, Webereien, Mal- und Bildhauerateliers usw. ein.

Besonderes Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang die Besetzung des Amerlinghauses, mit dem Ziel, hier ein Jugendzentrum einzurichten. Heute beherbergt das Amerlinghaus neben dem (leider nur mäßig besuchten) Bezirksmuseum eine Vielzahl von aktiven Gruppen und Initiativen, die sich schon längst nicht mehr "nur" auf die sogenannte Jugendkultur reduzieren lassen. Die Ausstellungen, Lesungen, Konzerte usw. im Amerlinghaus sind inzwischen unverzichtbarer und wichtiger Bestandteil des täglichen Kulturgeschehens der Stadt geworden.
Mit diesen Aktivitäten "von unten" wurde die Gemeinde Wien unter Zugzwang gesetzt und sah sich endlich dazu veranlaßt, der Abbruchpolitik der Spekulanten entgegenzuwirken, indem sie einen Großteil der betroffenen Häuser einfach (meist zu unverschämt überteuerten Preisen) aufkaufte und die ganze Gegend generalsanierte (klar, daß man nun in diesen "Gemeindewohnungen" der jetzt nobelsten Art kaum mehr Arbeiter oder kleine Angestellte finden wird). Und die Bauwirtschaft verstand es in kürzester Zeit, "umzudenken", aus den neuen Anforderungen gute Geschäfte zu machen. Bezirkspolitiker, die ehemals das lästige Viertel gerne schleifen wollten, disponierten zugunsten ihrer eigenen Tasche um: "1973 wird das Gebiet zur Schutzzone erklärt. In der Zwischenzeit haben Spekulanten bereits Häuser gekauft. Auch eine bekannte Bezirksgröße, die vorher für den Abbruch stimmte, erwarb flugs ein schönes Barockhaus in Leibrente, um es später mit beachtlichem Gewinn an einen Antiquitätenhändler zu veräußern. Aber was soll´s, wichtig war doch, dieses Juwel zu erhalten. Die originalgetreue Renovierung im Geiste der Kulturdenkmalpflege schuf ein Bild wie in den Tagen der Entstehung des Viertels..."

Mehr auf: http://mitglied.lycos.de/wienpoet/mohr2.html

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