Video: Renate Sassmann
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Lieber Michael!
Heuer feiern wir das 40-jährige Jubiläum der Besetzung des Amerlinghauses.
Du erinnerst Dich: Mai 1975. Das damals sehr baufällige Amerlinghaus dient als Veranstaltungsort der Bezirksfestwochen. Rund 3.000 BesucherInnen unterzeichnen ein Manifest, in dem sie die Forderung nach einem selbstverwalteten „Kultur- und Kommunikationszentrum Amerlinghaus“ bekräftigen. Vier Monate lang, bis September 1975, bleibt das Haus für einen „Modell-Betrieb“ besetzt. Danach kündigt die Gemeinde an, das Haus zu sanieren und als selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum zu widmen.
Am 1. April 1978 wird das Amerlinghaus eröffnet und dem Verein Kulturzentrum Spittelberg übergeben. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, und wir möchten dieses Jubiläum zum Anlass nehmen, um Dir für Dein Engagement zu danken, mit dem Du, sei es als Vorstandsmitglied des Trägervereins Kulturzentrum Spittelberg, sei es als Bürgermeister der Stadt Wien die Tätigkeiten des Amerlinghauses aktiv unterstützt und gefördert hast.
Das Amerlinghaus hat sich im Laufe der Jahre in vielem gewandelt. Aber seine zentrale Funktion ist gleich geblieben und heute vielleicht noch wichtiger als vor vier Jahrzehnten: ein Ort zu sein, der sich der Kommerzialisierung des urbanen Raums nicht beugt, sondern ein Stück offene Stadt ist; ein Ort, in dem sich junge, erwachsene und ältere Menschen – rund 50.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr – und rund 60 Initiativen ohne Konsumzwang treffen können, um gesellschaftlich bedeutsame Arbeit zu leisten und selbstbestimmt miteinander zu agieren; ein Ort kritischer Öffentlichkeit und Solidarität, den wir, die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, heute dringender denn je brauchen.
Dass das Amerlinghaus noch 40 Jahre nach seiner Besetzung seine ihm zugedachte urbane und gesellschaftliche Funktion erfüllt, ist auch einer Stadtpolitik zu verdanken, die zu ihrer Zusage steht, jährliche Fördermittel zuspricht und, wie 2012 im Zusammenhang mit der Entschuldung, ihre Verantwortung ernst nimmt.
Aber zugleich existiert das Amerlinghaus nur, weil es all jene vielen gibt, die es tagtäglich gestalten, die darin arbeiten, es nutzen, mit Leben füllen, es verteidigen. Und diese vielen haben eine berechtigte Sorge: Seit 2004 stagniert die Subvention, es gibt keine Inflationsanpassung, trotz steigender Miete und Personalkosten, aktuell liegt die Förderungssumme unter den Grundkosten, während die Möglichkeiten zu Einnahmen aufgrund der prekären Lage des überwiegenden Teils der Nutzerinnen und Nutzer weiter sinken.
Dem Amerlinghaus sind die budgetären Restriktionen der Gemeinde bewusst.
Umso mehr hoffen und setzen wir auf Deine Unterstützung für eine angemessene finanzielle Förderung.
Um diese drängenden Fragen für die Zukunft unserer für die Stadt so unverzichtbaren Einrichtung vorzubringen, bitten wir dich, uns am 10. Juni 8:30 zu empfangen. Wir freuen uns auf die Gelegenheit, dir auch persönlich unseren Dank auszusprechen.
Mit herzlichen Grüßen
(Christoph Reinprecht, Obmann)



