NACHRUF
Herbert Sburny, geb. Brunner, ist am 3. Februar gestorben.
Herbert war im Kulturzentrum von den Tagen der Besetzung an mit nur kurzen Unterbrechungen prägend dabei: als Verhandler, Geschäftsführer, als Verwalter, Hausmeister, Projektleiter, als Obmann, graue Eminenz, in den Jahren der Kämpfe ums Fortbestehen als Kummerkasten und Ratgeber, immer solidarisch und unterstützend und vor allem auch als lieber Freund.
Herbert hat seit den ersten Tagen der Besetzung seine solidarische Grundhaltung und politischen Organisationserfahrungen in das Projekt eingebracht. Seine Strategie, das Haus der Gemeinde gegenüber in erster Linie als Kultur- und Sozialprojekt zu präsentieren, hat bis heute dazu beigetragen, dass es nicht abgedreht worden ist. Der Preis dafür war, dass die Gemeinde dem Haus (Vereins-) Strukturen aufgezwungen hat, die gewisse Hierarchien mit sich brachten. Unter anderem dagegen wandten sich 1980 die Besetzer des Kulturzentrums im Umfeld der Burggartenbewegung. Es war keine feindliche Besetzung, die Mitarbeiter_innen, vor allem auch Herbert als „Verwalter der Selbstverwaltung“ pflegte einen solidarischen Umgang mit den Besetzer_innen und lernte – nach eigener Aussage – mehr Lockerheit im Umgang mit den Gruppen im Haus von ihnen.
Herbert blieb mit kurzen Unterbrechungen von 1978 bis 1999 als Geschäftsführer im Amerlinghaus in Anstellung und war nach seiner Pensionierung bis 2004 Obmann des Trägervereins.
Das Kulturzentrum im Amerlinghaus ohne Herbert ist kaum vorstellbar.
Es ist traurig, dass Herbert die heuer 2025 anstehenden Feiern zum 50jährigen Jubiläum der Besetzung nicht miterleben kann. Wir hoffen aber und glauben zu wissen, dass Herbert in den letzten Jahren miterlebt hat, wie wir das Kulturzentrum als Freiraum, als solidarische Infrastruktur für kritische und unabhängige Initiativen weitergeführt und vor allem auch verteidigt haben. Entgegen Befürchtungen ist es bis jetzt gelungen, das Kulturzentrum als offenes und linkes Haus weiterzuführen. Wir sind stolz darauf und denken, Herbert war es auch.
Herbert sagte selbstkritisch in einem Interview, dass ihn viele als „Chef“ im Amerlinghaus angesehen haben; „Wahrscheinlich war ich das auch. Ich war halt immer da, 1,92 Meter groß, wichtig und laut.“
Es stimmt, manchmal konnte Herbert auch cholerisch sein und regelrecht furchterregend… Dabei aber immer willens, sich auf Kritik und Widersprüche einzulassen, ist er nicht vor Auseinandersetzungen und Konfrontationen zurückgeschreckt und nicht davor, für seine Positionen einzutreten.
Herbert war auch für seine politischen Gegner_innen eine integre und respektable Person. Er hat sich immer einen klaren Blick bewahrt und ein Sensorium für linke solidarische Zugänge, blieb im Denken und Handeln widerständig und offen.
Geben wir hier ein bisschen Pathos Raum: Wir sind dankbar, dass wir dieses Erbe weiterführen dürfen, und wollen in diesem Sinne weiterhin dafür eintreten, dass das Kulturzentrum der Ort bleibt, an den Herbert bis zuletzt immer wieder gerne gekommen ist, den er interessant fand und an dem er sich wohlgefühlt hat.
Herbert, wir werden Dich vermissen.
Die Mitarbeiterinnen & der Vorstand des Kulturzentrums im Amerlinghaus