
Die Entscheidung der MA13, unsere jährliche Basisförderung um zwei Drittel zu kürzen, ist ein
brutaler Angriff auf das Kulturzentrum im Amerlinghaus, auf die freie Szene und auf alle, die in
dieser Stadt nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Diese Kürzung ist keine harmlose
Sparmaßnahme — sie ist eine politische Entscheidung, gegen unsere Existenz und gegen Alles
wofür wir stehen.
Was diese Kürzung für uns konkret bedeutet:
• Das Amerlinghaus kann nicht mehr betrieben werden. Personal muss entlassen, Programme
gestrichen, Räume geschlossen werden.
• Hausgruppen, Initiativen und Projekte, die im Haus ihre einzige Infrastruktur haben,
verlieren existentielle Grundlagen.
• Kultur, die nicht auf Profit ausgerichtet ist, wird eliminiert. Was weg ist, ist weg.
Seit 50 Jahren ist das Amerlinghaus ein selbstverwalteter, zugänglicher Freiraum: ein Zentrum für
politische Gruppen, ein Ort für Gegenkultur und für Initiativen, die ohne Konsumzwang und
Leistungsdruck arbeiten. Soziale, zivilgesellschaftliche, feministische, migrantische und queere
Gruppen und Selbstorganisierungen haben im Amerlinghaus ihren Platz für Kultur, politische
Bildung, Kunst, Nachbarschaftsprojekte, kritische Diskurse, solidarische Lebenshilfe und weitere
Formen der ermächtigenden Zusammenkunft. Diese Arbeit lässt sich nicht in Marketing-Tabellen,
Besucherzahlen oder Rendite-Analysen pressen — sie ist unverzichtbar für die politische Schönheit
und das Zusammenleben in dieser Stadt.
Die Stadt Wien behauptet, „für die Menschen“ zu handeln. In Wirklichkeit schützt sie
Kapitalinteressen: neoliberale Prioritäten werden in Form kapitalistischer Megaprojekte
durchgesetzt, während die Basis der Gesellschaft ausgehungert wird. Kürzungen bei Kultur- und
Sozialprojekten sind keine Sparmaßnahmen — sie sind politische Strategie. Die Rechnung zahlen
jene, die ohnehin zu wenig haben: freie Projekte, Kulturarbeiter*innen, ehrenamtlich Engagierte,
marginalisierte Gruppen. Das ist eine bewusst durchgesetzte Ungerechtigkeit.
In einer von Krisen geprägten Zeit sind Sozialeinrichtungen, Kunst und Kultur tragende Säulen der
Gesellschaft. Sie bieten Räume der Begegnung, Reflexion und Inspiration. Wir sind ein sowohl ein
niederschwelliges Kulturzentrum als auch ein Treffpunkt für diverse Communities, politische
Initiativen und soziale Projekte, die all jene in den Mittelpunkt stellen, die nicht auf die Butterseite
des Lebens gefallen sind.
Die Solidarität unter den Initiativen ist stark, und wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere
Existenz und die von zahlreichen anderen Projekten auf dem Altar des Neoliberalismus geopfert
wird. Wir sind entschlossen, aktionistische Protestmaßnahmen zu ergreifen und unsere Stimme zu
erheben. Wir organisieren uns! Wir verteidigen unsere Rechte! Wir haben ein Recht auf Freiräume,
Kunst und Kultur.
Wir brauchen mehr Räume in denen wir existieren können ohne dabei brauchbar für das System
sein zu müssen – nicht weniger!
Und wir stehen nicht allein. Die Forderungen der IG Kultur und zahlreicher Interessensvertretungen
sind richtig und dringlich: Statt zu kürzen, muss das Kulturbudget erhöht, die freie Szene
abgesichert und Fair Pay garantiert werden. Die angekündigten Maßnahmen der Stadt laufen dem
zuwider und konterkarieren jedes Bekenntnis zu Kultur als Gemeingut.
Unsere Verantwortung — und unsere Antwort
Das Amerlinghaus wird dieses Aushungern nicht kampflos hinnehmen. Vorstand,
Mitarbeiter*innen, Hausgruppen und Freund*innen werden solidarisch, entschlossen und kreativ
protestieren. Wir rufen alle Kolleg*innen aus der freien Szene, soziale Initiativen, Künstler*innen,
Anrainer:innen und solidarische Bürger*innen auf:
• Sprecht mit uns, bringt Ideen und Handlungsvorschläge — wir planen Sofortmaßnahmen,
Aktionen, Vernetzungs- und Protestformate.
• Unterstützt die Forderungen der IG Kultur: Erhöhung des Kulturbudgets, rechtliche
Absicherung der freien Szene, Fair Pay, zweckgebundene Abgaben für Kultur, Investitionen
in Proberäume und unkommerzielle Infrastruktur.
An die Stadt Wien: Politik für Menschen — nicht für Kapital
Wir fordern die Stadtregierung auf, Politik für die Menschen dieser Stadt zu machen: Priorisiert
soziale Infrastruktur, Basis- und Gegenkultur sowie Projekte, die Menschen zusammenbringen und
demokratische Praxis ermöglichen. Hört auf, die lebendige Stadt an Investor*innen zu verkaufen
und die freie Szene systematisch auszuhungern. Wenn Wien sich weiterhin über sein kulturelles
Leben definiert, dann ist es eure Pflicht, dieses Leben zu schützen — finanziell, rechtlich und
politisch.
Wir werden kämpfen — laut, unbequem und solidarisch. Denn wer Räume zerstört, zerstört auch
Netzwerke, Fürsorge und gemeinsame Zukunftsperspektiven. Das Amerlinghaus bleibt ein offener
Ort des Widerstands.