Tren Maya

Samstag 02. März 2024 von 16-20 Uhr im Amerlinghaus!

Kein Stahl aus Österreich für „Tren Maya“

Die mexikanische Regierung baut eine neue Zugstrecke durch den südmexikanischen

Dschungel, direkt durch die autonomen Regionen der Indigenas. Dieses Infrastrukturprojekt

soll diese autonomen Regionen der westlichen Wirtschaft und dem Massentourismus

zugänglich machen. Ermöglicht wird das Projekt zu einem großen Teil durch Knowhow, mit

Spitzentechnologie und mit Erzeugnissen der voestalpine. Obwohl die Indigenas dagegen

protestierten und Widerstand leisteten, ist bereits ein großer Teil der Zugstrecke errichtet. Die

Regierung setzt dabei auf militärische Maßnahmen, unterstützt von mafiösen und

paramilitärischen Gruppen, die vor Vertreibung und Terror nicht zurück schrecken. Um das

Fortbestehen und die Souveränität der Indigenas zu gewährleisten, ist es wichtig, dass wir

unsere Solidarität zeigen und die Anfertigung und den Export weiterer Streckenabschnitte

verhindern. Um eine ökologische Katastrophe zu verhindern, muss der Ausbau gestoppt

werden.

Seit Spanier vor 500 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent landeten, wurden Millionen von Indigenas getötet oder versklavt. Die verschiedenen Gemeinden wurden immer weiter von den Zentren abgedrängt. Die Indigenas wehrten sich von Beginn an. Im 19. Jhd kämpften sie im Unabhängigkeitskrieg zuerst an der Seite des nationalen Bürgertums gegen Spanien und später gegen die Besatzer aus Frankreich (unter Beteiligung Österreichs, Englands und Belgiens) und den USA. Anfang des 20. Jhds kämpften sie bereits als eine eigene unabhängige Kraft gegen die Großgrundbesitzer in der mexikanischen Revolution, an der Seite ihres Anführers, des indigenen Bauern Zapata – Namensgeber der 60 Jahre später entstandenen Freiheitsbewegung. Teile kämpften

bis in die 1950er Jahre im Süden Mexikos für die Landreform. Nach der Niederschlagung der

StudentInnenausschreitungen von 1968, gingen viele FreiheitskämpferInnen zu den vielen Guerillas aufs unwegsame Land. Jahre später schlossen sich Indigenas aus verschiedenen Gemeinschaften mit einigen dieser GuerillakämpferInnen zusammen um ein gemeinsames Konzept für die Befreiung aller Indigenas und ArbeiterInnen Mexikos zu erarbeiten. Die Bewegung nannte sich EZLN (Zapatistische Armee der nationalen Befreiung).

Nach jahrelangen Vorbereitungen kam es am 1. Jänner 1994 – am symbolischen Tag der Einführung der nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA, zu einem klandestin vorbereiteten Aufstand in Südmexiko. Die EZLN KämpferInnen marschierten in mehreren Provinzhauptstädten ein, besetzten Regierungsgebäude und versuchten erfolglos Militäreinrichtungen einzunehmen. Die hochgerüstete militärische Macht konnte für einen Moment überrascht werden, aber langfristig konnten die EZLN KämpferInnen ihre Positionen nicht halten. Nur durch die gewaltige Solidarität der ArbeiterInnen in

ganz Mexiko und internationaler AktivistInnen wurde trotz der militärischen Niederlage und der Notwendigkeit, eine defensive Ausrichtung einzunehmen, ihr Kampf ein politischer und sozialer Erfolg. Der mexikanische Staat musste mit den Indigenas verhandeln und ihnen vorübergehend Gebiete überlassen. Aber entgegen den Vereinbarungen wurden die indigenen Rechte und die Autonomie nie in die Verfassung aufgenommen. Auf der anderen Seite erkannten die ZapatistInnen, wie überlebenswichtig die Solidarität war und sie erweiterten ihre Konzepte. Von nun an war das Zugehen auf andere Gesellschaften, das gemeinsame Verstehen und Lernen ein wichtiger Teil ihrer Ideologie. Daher riefen sie zwei Jahre später zu einem landesweiten Kongress – genannt CNI – aller Indigenas im ganzen Land auf (es gibt viele verschiedene indigene Gruppen) und einem weiteren Kongress aller fortschrittlichen Kräfte auf. Obwohl die mexikanische Regierung bis jetzt dieVereinbarungen nicht umgesetzt hat, setzen die Indigenas ihre Autonomie überall in Mexiko

einseitig um. In sogenannten „guten Regierungen“ werden mit dem Konzept „Befehlen durch Gehorchen“ ausschließlich und direkt die Bedürfnisse der Basis koordiniert. In mehreren Karawanen sind die ZapatistInnen in den letzten Jahren durch Mexiko gereist.

2021 ist eine bunte Delegation von zapatistischen KämpferInnen, bis hin zu einfachen Indigenas und Kindern von Mexiko nach Wien geflogen und von da weiter nach Linz, Salzburg und anderen Teilen Österreichs und später Europas um uns ihre Anliegen näher zu bringen, aber vor allem, um von uns, unseren Erfahrungen, unseren Kämpfen, unseren Problemen und Nöten zu lernen. Denn, so sagen sie, nur gemeinsam können wir die Welt nachhaltig verbessern. Jetzt brauchen die ZapatistInnen unsere Hilfe und Solidarität.

Die sozialdemokratische Partei stellt seit 2018 die Regierung Mexikos. Im Gegensatz zur

neoliberalen Vorgängerregierung setzt sie erstmals auf Umweltschutzmaßnahmen und kleinere Sozialprojekte in den urbanen Zentren und wird von Teilen der ArbeiterInnen gestützt. Der Süden wird jedoch vernachlässigt und die indigenas hatten von Beginn an kein Vertrauen in die Regierung.

Die Spaltung der fortschrittlichen Bewegungen in den Zentren und im Süden wird von der

Regierung genützt um einen Keil in die Solidarität zu stoßen und den Süden zu isolieren. Damit kann der alte Plan des tren maya jetzt umgesetzt werden. Die neue Zugstrecke durch den unwegsamen und schlecht ausgebauten Süden des Landes enteignet und verdrängt die dortigen Gemeinschaften. Der Großteil der Zugstrecke führt durch indigenes Gemeindeland. Dadurch werden die indigenen Gemeinden voneinander getrennt, weiter zersplittert und das Land darauf vorbereitet, die Bodenschätze auszubeuten, Massentierhaltung und weitere touristische Megaprojekte wie Cancun zu errichten. Die sensible Umwelt im Süden Mexikos würde dadurch massive Schäden erleiden. Die Drecksarbeit machen paramilitärische und mafiöse Gruppen, die ursprünglich staatliche Spezialeinheiten waren. Seit dem Bau der Zugstrecke werden vermehrt indigene Dörfer angegriffen und niedergebrannt. Indigenas werden auf offener Straße entführt, gefoltert oder getötet.

Die österreichische Beteiligung

Die Leitung von voestalpine ist stolz darauf, Infrastruktur für den Zug zu liefern. Dies steht im

krassen Widerspruch zu ihrem Unternehmensprofil

Nachhaltige Eisenbahninfrastruktur mit unternehmerischer Verantwortung für Mensch und

Umwelt. Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt.“ (https://www.voestalpine.com/railwaysystems/

de/unternehmen/werte-und-kultur/corporate-responsibility)

In ihrem Verhaltenskodex, verweist voestalpine in den Absätzen 5 und 6 auf die

Achtung der Menschenrechte & Arbeitsbedingungen“ und „UMWELT & KLIMASCHUTZ“

(https://www.voestalpine.com/group/static/sites/group/.downloads/de/konzern/compliance/Verhaltenskodex-DE.pdf)

Daher fordern wir:

* Solidarität mit dem Kampf der Indigenas von Mexiko

* Keine Anfertigung und Export weiterer Streckenabschnitte für den „Tren Maya“ durch die voestalpine

* Keine Beteiligung an der Umweltzerstörung durch den Bau des Zuges

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weitere Infos unter: https://prolrevol.wordpress.com/

Kategorie: Gutes Leben für Alle, Solidarität, Widerstand, Herrschaftskritik